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/ 20.06.2013
Paul Berman

Idealisten an der Macht. Die Passion des Joschka Fischer. Aus dem amerikanischen Englisch von Helmut Dierlamm und Werner Roller

München: Siedler Verlag 2005; 285 S.; 19,95 €; ISBN 978-3-88680-846-5
Das Buch des amerikanischen Intellektuellen Bermer ist 2005 unter dem Titel „Power and the Identities Or The Passion of Joschka Fischer“ im Amerikanischen erschienen. Der Titel ist irreführend, da es Bermer nicht in erster Linie um die Person Fischer geht, sondern um die Generation, der der ehemalige deutsche Außenminister zugerechnet wird: den 68ern. Der erste Essay ist ein Aufsatz, der kurz vor den Anschlägen des 9. Septembers 2001 in „The New Republic“ erschien. Darin geht Bermer auf den Werdegang Fischers und dessen politische Motive. In den anschließenden vier Kapiteln – die alle nach den Anschlägen verfasst wurden – zeigt der Autor anhand weiterer Personen aus der „68er Generation“, welchen politischen Ethos „die Linke“ vertritt und welche Entwicklung diese genommen hat. Er schildert detailreich die Geschichten europäischer (Daniel Cohn-Bendit, Bernard Koucher, Adam Michnik) und islamischer „68er“ (Azar Nafisi, Kanan Makiya), die allesamt eines gemeinsam haben: Sie haben sich von teilweise radikalen Linken hin zu Vertretern eines liberalen Anti-Totalitarismus entwickelt. Bermer misst die Entwicklung der „68er Generation“ an den jeweiligen Ansichten zu militärischen Interventionen im Sinne des Liberalismus. Er selbst befürwortet den Irakkrieg, da es galt, das totalitäre Regime um Saddam Hussein zu beseitigen. Zwar distanziert sich Bermer von der Art und Weise, wie die Bush-Administration diesen Krieg geführt hat, jedoch sei das humanitäre Ziel von größerem Gewicht als die Lügen, Fehleinschätzungen und Brüche des Völkerrechts. Gerade diese simplifizierende Sichtweise lässt das ansonsten anspruchsvolle und spannend zu lesende Buch in einem kritischen Licht erscheinen. Hinzu kommt eine Einteilung der von ihm beschriebenen „68er Generation“ in Interventionisten und Anti-Interventionisten. Gerade dass ein Joschka Fischer sich hier nicht eindeutig zuordnen lässt, wirft Bermer dem ehemaligen Außenminister nun vor.
Oliver Trede (OT)
Dr. phil., Historiker/Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.32.3314.21 Empfohlene Zitierweise: Oliver Trede, Rezension zu: Paul Berman: Idealisten an der Macht. München: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25583-idealisten-an-der-macht_29677, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 29677 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA