/ 22.06.2013
Thomas Dietz
Institutionen und Globalisierung. Eine empirische Untersuchung am Beispiel grenzüberschreitender Softwareentwicklungsverträge
Tübingen: Mohr Siebeck 2010 (Neue Staatswissenschaften 12); XI, 196 S.; brosch., 44,- €; ISBN 978-3-16-150427-3Diss. Bremen; Gutachter: G.-P. Calliess. – „Das Zustandekommen von Tausch setzt die Existenz eines ‚Mechanismus Ökonomischer Governance’ voraus, der die Erfüllung vertraglicher Vereinbarungen sicherstellt“ (1), skizziert Dietz den Ausgangspunkt seiner Arbeit. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob es staatliche oder private Mechanismen einer ökonomischen Governance sind, die die vertragliche Sicherheit und Effektivität des zunehmenden internationalen Wirtschaftsverkehrs ermöglichen. Im ersten theoretischen Teil werden mithilfe der Neuen Institutionenökonomik die Grundbegriffe und verschiedenen Positionen und Ansätze zur Frage der Steuerung von Märkten dargelegt. Dietz skizziert die Entwicklung des staatlichen Transaktionsrechts, das im 18. und 19. Jahrhundert im Zuge der Herausbildung von nationalen Binnenmärkten entstanden ist und im Zeitalter der ökonomischen Globalisierung seine Funktionsfähigkeit zu verlieren scheint. Ob tatsächlich von einem Verfall des staatlichen Transaktionsrechts gesprochen werden kann und sich private Mechanismen zur Sicherstellung vertraglicher Ansprüche im internationalen Wirtschaftsverkehr durchsetzen, wird in drei Fallstudien (Bulgarien/Rumänien, Indien, Deutschland) zu grenzüberschreitenden Softwareentwicklungsverträgen untersucht. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass dem staatlichen Transaktionsrecht in allen drei Fällen „eine nur sehr geringe Bedeutung für die Herstellung von Transaktionssicherheit zukommt. Weder die deutschen Offshore-Kunden noch die bulgarischen, rumänischen und indischen Offshore-Provider verlassen sich darauf, vertragliche Ansprüche mithilfe der staatlichen Gerichte und Zwangsvollstreckungsorgane durchzusetzen.“ (153) Stattdessen würden sich die beteiligten Akteure das institutionelle Umfeld durch entsprechende Vertragsgestaltung und sorgfältige Auswahl der Geschäftspartner selbst schaffen. Als private Mechanismen ökonomischer Governance seien insbesondere sich selbst durchsetzende Verträge sowie Reputationsnetzwerke von Bedeutung. Dietz wertet seine Ergebnisse als Beleg dafür, dass Märkte nicht zwingend auf staatlich durchgesetzte Steuerungsmechanismen angewiesen sind.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.43 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Thomas Dietz: Institutionen und Globalisierung. Tübingen: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33317-institutionen-und-globalisierung_39845, veröffentlicht am 24.03.2011.
Buch-Nr.: 39845
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