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/ 12.06.2013
Jessica von Felbert

Konfliktbewältigung in Südosteuropa

Online-Publikation 2012 (http://miami.uni-muenster.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-6336/diss_felbert.pdf); 463, XL S.
Diss. Münster; Begutachtung: R. Meyers, H.‑J. Krysmanski. – Jessica von Felbert möchte „geeignete Wege zu einer dauerhaften Behebung der südslawischen Konflikthaftigkeit […] finden“ (5). Um der Komplexität des Sachverhalts gerecht zu werden, hält sie es für notwendig, interdisziplinär vorzugehen und neben soziologischen insbesondere auch politologische, völkerrechtliche und sozialpsychologische Betrachtungsweisen heranzuziehen. Für dieses anspruchsvolle Ziel erarbeitet sich die Autorin zunächst die komplexe Genese des Konflikts mithilfe des sogenannten Turnus der systemischen Selbstzerstörung, der aus insgesamt fünf Phasen besteht. Auf dieser Basis schaut die Autorin in einem nächsten Schritt, ob die Intervention der internationalen Gemeinschaft langfristig zu einer Durchbrechung des Turnus hätte führen können und stellt fest, dass der Ahtisaari‑Plan kein probates Interventionskonzept zur Konfliktbehebung darstellt(e), weil er fast ausschließlich kosovarisch‑albanische Sezessionsansprüche berücksichtigt und aufgrund dessen nicht mit einer serbischen Zustimmung gerechnet werden kann. Damit könne auch der Turnus der systemischen Selbstzerstörung nicht aufgehoben werden, weswegen nach wie vor erhebliches Konfliktpotenzial und regionale Instabilität zu erwarten seien. Die kontrovers diskutierte Frage nach der Völkerrechtsmäßigkeit des Staates Kosovo, aber auch der zwar im Dayton‑Abkommen gut verhandelte, aber aufgrund der Macht nationalistischer Eliten de facto nicht vorhandene Kompromiss in Bosnien‑Herzegowina gelten von Felbert als wichtige Beispiele für die immer noch andauernde Konflikthaftigkeit und Instabilität des Westbalkans. Die tieferen Ursachen für diese Situation sind nach Ansicht der Autorin besonders gut mithilfe der Theorie der strategischen Spaltung zu erklären, die die Konflikthaftigkeit im Wesentlichen auf die innenpolitisch initiierte, machtorientierte Ausnutzung der inneren Zerrissenheit der Völkergemeinschaften zurückführt und ihr folglich ein künstlich konstruiertes Gepräge zuschreibt. Eine Lösung des Konflikts kann für von Felbert nur über die Präsenz und Unterstützung der internationalen Gemeinschaft gefunden werden, die jedoch vom konventionellen Interventionsverständnis abrücken und einen „radikalen Paradigmenwechsel“ (363) vollziehen sollte.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 4.412.61 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Jessica von Felbert: Konfliktbewältigung in Südosteuropa 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14530-konfliktbewaeltigung-in-suedosteuropa_43503, veröffentlicht am 23.05.2013. Buch-Nr.: 43503 Rezension drucken
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