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/ 18.06.2013
Christian Lahusen

Kontraktuelle Politik. Politische Vergesellschaftung am Beispiel der Luftreinhaltung in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA

Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2003; 413 S.; geb., 49,- €; ISBN 3-934730-63-9
Soziolog. Habilitationsschrift Bamberg. - Zur Beschreibung der Relation zwischen Staat und Gesellschaft werden in den Sozialwissenschaften neuerdings kaum noch Modelle verwendet, die hierarchische Beziehungen zugrunde legen. Stattdessen ist die Rede von Aushandlungsprozessen, Mechanismen gesellschaftlicher Selbststeuerung oder der Vernetzung von privaten und staatlichen Akteuren. Diesen Trend zur Herausbildung von „kooperative[n] Formen der Meinungsbildung, Entscheidungsfindung und Implementation" (9) untersucht Lahusen systematisch an einem Feld, das üblicherweise als Domäne regulativer Politik gilt: dem der Luftreinhaltung. In der Perspektive des Autors steht dabei weniger die sachliche Problemlage der Luftverschmutzung im Vordergrund. Im Sinne einer „Soziologie kooperativer Politik" (29 f.) möchte er vielmehr die These erhärten, dass Politik im Zuge der „kooperativen Umwertung der Willensbildung und Entscheidungsfindung eine ausgeprägt kontraktuelle Qualität" gewinnt (34). Die Studie beruht auf einem sozialkonstruktivistisch und handlungstheoretisch ansetzenden Vergleich von vier Ländern, die idealtypisch jeweils für einen spezifischen Politikstil stehen: den des „technizistischen Synthese- oder Konsensmodells (BRD), eines Wettbewerbsmodells (USA), eines technokratischen Etatismusmodells (Frankreich) und eines konsultationsgestützten Kompromißmodells (GB)" (22). Aus dem Inhalt: 1. Einleitung: Kooperation in der Umweltpolitik 1.1 Staatliche Regulierung und kooperative Politik 1.2 Luftreinhaltepolitik als Gegenstand der komparativen Gesellschaftsanalyse 1.3 Eine Soziologie kooperativer Politik 2. Staat und regulative Politik: Institutionalisierung, Verrechtlichung und Reregulierung 2.1 Der ‚starke' Staat: Umweltpolitik als staatlicher Steuerungsauftrag 2.2 Der ‚hybride' Staat: Umweltpolitik im Strudel von Regulierung Deregulierung und Reregulierung 2.3 Der ‚vielgestaltige' Staat: Nationale Politikstile und Strategien der Luftreinhaltung 2.4 Vom steuernden Weisungs- zum modernisierenden Managementstaat? 3. Verhandlungs- und Steuerungsnetze: Habitualisierung und Institutionalisierung gesellschaftlicher Abstimmung 3.1 Politiknetzwerke zwischen Wahlentscheidungen und institutionalisierten Regeln 3.2 Verhandlungsstrukturen und -stile im internationalen Vergleich 3.3 Fazit: Habitualisierung und Prozeduralisierung kooperativer Politik 4. Professionen und Wissenschaften: Normalisierung, Objektivierung und Versachlichung kooperativer Politik 4.1 Expertokratie im Umweltschutz 4.2 Regulative Politik als Beruf 4.3 Professionen und umweltpolitische Arbeitsteilung im internationalen Vergleich 4.4 Fazit: Politik durch Einsicht und Erkenntnis 5. Öffentlichkeiten: Thematisierung, Inszenierung und Diskursivierung der Politik 5.1 Problemwahrnehmung und öffentliche Meinung 5.2 Politische Steuerung durch Öffentlichkeiten: Regieren als öffentlicher Diskurs 5.3 Länderspezifische Öffentlichkeiten und Diskursformationen 5.4 Fazit: Institutionelle und symbolische Grundlagen diskursiver Kooperation 6. Kooperative Politik 6.1 Kooperative Politik als theoretisches Problem: Bestimmung und Bewertung eines amorphen Phänomens 6.2 Kooperative Politik als praktisches Problem: Chancen und Risiken einer ‚entgrenzten' Politik 6.3 Fazit: Institutioneller Kontraktualismus
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2612.612.642.341 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Christian Lahusen: Kontraktuelle Politik. Weilerswist: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18979-kontraktuelle-politik_22018, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 22018 Rezension drucken
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