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/ 22.06.2013
Thomas Kempa

Kriegskunst im Business. Transkulturelle Resonanzen am Beispiel chinesischer und westlicher Managementliteratur zu Sunzi bingfa

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010 (Neue China-Studien 3); 246 S.; 39,- €; ISBN 978-3-8329-5352-2
Diss. Erlangen-Nürnberg; Gutachter: M. Lackner, J. Renn. – „Wer den Gegner kennt und sich selbst, wird in hundert Schlachten nicht in Not geraten.“ (9 f.) Mit dieser und anderen Weisheiten gilt das Werk „Die Kunst des Krieges von Meister Sun (Sunzi bingfa)“ als einer der Klassiker der chinesischen Antike, war im Mittelalter Prüfungsstoff der chinesischen Militärbeamten und verlor auch unter den Kommunisten nicht seine Bedeutung. Aber nicht nur das: Kempa schildert das Werk als Teil eines Kulturtransfers, in dem Inhalte und Konzepte zwischen Ost und West hin- und herwandern und sogar in den USA ihren Niederschlag in Militärhandbüchern und bei den Simpsons finden. Das Besondere an „Sunzi bingfa“ ist zudem, dass die militärischen Weisheiten auf spezifische Weise in den wirtschaftlichen Bereich transferiert wurden: Es habe in China eine lange Geschichte, so Kempa, Einflüsse von außen in eigene Erklärungsmuster einzuarbeiten sowie traditionalistische Konzepte als Rechtfertigung für die jeweils aktuellen Herrschaftsverhältnisse zu verwenden. Und so sei „Die Kunst des Krieges“ Mitte der 80er-Jahre auf spezifische Art neu entdeckt worden. Der Wirtschaftsexperte Chen Bingfu habe 1984 auf einer Konferenz „Sunzi bingfa“ als Vorbild für das ökonomische Denken in China vorgestellt. Mit der daraufhin erschienenen, daran angelehnten Literatur sei die Einführung des westlichen Business-Denkens in der Übergangszeit hin zur Marktwirtschaft chinesisch-sozialistischer Prägung legitimiert worden, so Kempa, indem die importierten Methoden mithilfe von „Sunzi bingfa“ als „indigen chinesisch“ (157) dargestellt worden seien. Und da viele Manager zuvor als Militärangehörige tätig gewesen seien und das Werk als politisch korrekt gekannt hätten, sei es ihnen leicht gefallen, die neuen Ansichten zu akzeptieren. Mittlerweile aber habe sich die Literatur von der Deutungshoheit der KPCh befreit und enthalte vor allem praktische Hinweise für die Handelsbeziehungen mit dem Westen. Die fast gleichzeitige Zunahme der westlichen Literatur, in der „Sunzi bingfa“ und Handel miteinander verknüpft werden, sieht Kempa zumindest teilweise einem kulturellen Missverständnis geschuldet – bei der eigenen Interpretation werde übersehen, dass in China das Werk dazu diene, „westlich-bürgerliche[.] Interpretationen von Demokratie- und Menschenrechtskonzeptionen“ (79) auszuschließen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.232.682.644.43 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Thomas Kempa: Kriegskunst im Business. Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32623-kriegskunst-im-business_38935, veröffentlicht am 28.09.2010. Buch-Nr.: 38935 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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