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/ 21.06.2013
Angela Borgstedt / Siegfried Frech / Michael Stolle (Hrsg.)

Lange Schatten. Bewältigung von Diktaturen

Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2007 (Basis/index.php?option=com_content&view=article&id=41317 Politik); 234 S.; 16,80 €; ISBN 978-3-89974335-7
„Es gehört zu den fundamentalen Einsichten in die Geschichte des 20. Jahrhunderts, dass moderne Diktaturen die verfassungsstaatlichen Demokratien herausforderten und sie gefährdeten“ (201), schreibt Stolle. In den auf einen Vergleich angelegten Beiträgen geht es darum, Länder- und Kulturgrenzen überschreitende Gemeinsamkeiten bei der Bewältigung einer diktatorischen Vergangenheit zu identifizieren. In seinem lesenswerten einführenden Beitrag beschreibt Peter Steinbach, worauf diese Gemeinsamkeiten beruhen – auf der Tatsache, dass alle modernen Diktaturen einen gemeinsamen Gegner haben: den liberalen Verfassungsstaat. Steinbach skizziert die Zentralisierung der politischen Macht und Herrschaft in diesen Diktaturen, die ihre Legitimation durch eine Zukunftsverheißung einforderten. Als besonderes Charakteristikum benennt er, dass kein Schutz privater Lebens- und Entfaltungsräume mehr existierte. In einer vergleichenden Analyse gehe es aber „nicht um Gleichsetzungen, auch nicht um Unterschiede, vielmehr um Funktionen von Institutionen im politischen Prozess, um Kompensationen zerstörter oder abgeschaffter Funktionsmöglichkeiten, um Funktionsweisen in diktatorischen Systemen, die sich in ihren Legitimationsmustern unterscheiden“ (35). Peter I. Trummer benennt am Beispiel Kambodschas die Strategien von Vergangenheitsbewältigungen und die Zielsetzungen einer Transformation – unter dem Zeichen „eines gesellschaftlichen Übergangs von einer kollektiven, traumatischen Situation in eine posttraumatische Situation“ (51). Er beschreibt die Auswirkung der Arbeit von Wahrheitskommissionen und resümiert, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit keine kurzfristige Heilung bringe, mittel- und langfristig jedoch Übergangsgesellschaften stabilisiere und aussöhne. Zu den untersuchten Fallbeispielen zählen die Bewältigung der NS- und DDR-Vergangenheit und die Auseinandersetzung mit Argentiniens Militärdiktatur – Stolle beschreibt dabei auch die fatalen Fehleinschätzungen der internationalen Gemeinschaft. Die Beiträge gehen auf eine Tagung an der Universität Karlsruhe im Mai 2006 zurück.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.22.252.232.352.42.612.65 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Angela Borgstedt / Siegfried Frech / Michael Stolle (Hrsg.): Lange Schatten. Schwalbach/Ts.: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27547-lange-schatten_32317, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 32317 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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