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/ 05.06.2013
Sven Olaf Berggötz

Nahostpolitik in der Ära Adenauer. Möglichkeiten und Grenzen 1949-1963

Düsseldorf: Droste Verlag 1998 (Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte 33); 528 S.; Ln., 78,- DM; ISBN 3-7700-1880-X
Diss. Bonn; Gutachter H.-P. Schwarz. - Mitte der fünfziger Jahre formulierte die "Times" die Befürchtung, Westdeutschland könne sich neben den Vereinigten Staaten und Großbritannien als dritte Macht im Nahen Osten etablieren. Und in Frankreich erschien zur selben Zeit eine Studie, die sogar prognostizierte, die Bundesrepublik könne gar die Vereinigten Staaten als Wirtschaftspartner Nummer 1 für die Region überholen. Berggötz versteht seine Studie einerseits als einen Beitrag über die Möglichkeiten deutscher Außenpolitik, deren Determinanten sich zwangsläufig aus den Beziehungen der Bundesrepublik zu den drei Westmächten ergaben. Andererseits präsentiert er eine - wenn man so will - Strukturgeschichte außenpolitischer Entscheidungsprozesse mit biographischen Ansätzen, wenn er fragt: "Wer gestaltet wie und weshalb die westdeutsche Nahostpolitik?" (16) Berggötz stützt sich in seiner gut recherchierten Arbeit hauptsächlich auf Quellenmaterialien aus dem Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes, auf Dokumente aus dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundeskanzleramt, ergänzt durch Archivalien des State Department und des Foreign Office. Eingebettet in vier Fallstudien (Assuan-Damm, das Azna-Projekt, die Suez-Krise, Nahost-Krise 1958) erläutert der Autor detailliert und spannend zugleich, wer sich in der deutschen Nahost-Politik betätigte, angefangen bei den politischen Beratern des Kanzlers, über die Entscheidungsträger in AA und BMWi, die Diplomaten vor Ort bis hin zu den deutschen Wirtschaftsverbänden. Deutlich wird, daß die Nahost-Politik Adenauers keineswegs eine vernachlässigbare Größe war, auch nicht im Vergleich zur aktuellen Politik. Zweifellos hat das deutsche Wirtschaftswunder den Beziehungen gerade 1957 bis 1960 einen gewaltigen Schub verliehen. Wenn auch nicht alle Projekte realisiert werden konnten: "'Germany's Moment in the Middle East' waren die späten fünfziger Jahre" (461). Inhaltsübersicht: A. Strukturen des nahostpolitischen Entscheidungsprozesses in der Bundesrepublik; B. Externe Bestimmungsfaktoren westdeutscher Aktivitäten im Nahen Osten; C. Möglichkeiten: Wirtschaftliche Durchdringung und politische Einflußnahme; D. Grenzen: Strukturelle Probleme westdeutscher Nahostpolitik.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 4.212.63 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Sven Olaf Berggötz: Nahostpolitik in der Ära Adenauer. Düsseldorf: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7001-nahostpolitik-in-der-aera-adenauer_9377, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 9377 Rezension drucken
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