/ 04.06.2013
George Monbiot
Nomadenland. Der Überlebenskampf der Nomaden Ostafrikas. Aus dem Englischen von Thomas Marti
München: Marino Verlag 1996; 279 S.; brosch., 29,80 DM; ISBN 3-927527-70-XDer Autor, ein für seine engagierten Hintergrundreportagen und kritischen Reiseberichte mehrfach ausgezeichneter britischer Journalist, läßt an der Intention seines Buches über den "Überlebenskampf der Nomaden Ostafrikas" (so der Untertitel) keinen Zweifel: "Dieses Buch berichtet über meine Reisen zu Menschen, die zu den außergewöhnlichsten unseres Planeten gehören. Es zeigt, wie sie Kräften begegnen, die sie und uns vom Leben ausschließen wollen, das die Zivilisation unterdrückt." (10) Mehr als ein Jahr lang hat Monbiot wechselnde Nomadengruppen aus unterschiedlichen Hirtenvölkern im Osten Afrikas, vor allem auf den Staatsgebieten Kenias und Tansanias, auf ihren Wanderungen durch die Savannensteppe begleitet. Sein Bericht versucht ein eindringliches Bild ihres Lebensalltags, das heißt in erster Linie ihres täglichen Existenzkampfes, zu vermitteln. Dabei versteht sich der Autor nicht in erster Linie als ethnologischer Beobachter, sondern als ein mit dem Leiden und den Nöten der von ihm begleiteten Nomaden ausdrücklich sympathisierender Berichterstatter. Er versucht das Augenmerk der Leser und Leserinnen auf zweierlei zu lenken: Zum einen betont er das ihn zutiefst beeindruckende Pathos eines Tag für Tag einer extremen und existenzwidrigen Natur abgetrotzten Überlebens von Menschen, die noch nicht "von der Zivilisation verweichlicht wurden" (14), letztlich also durchaus im Sinne des klassischen Topos des "Existenzkampfes des wilden (= nicht zivilisierten) Menschen gegen die Naturgewalten". Zum anderen stellt er diesem "natürlichen" Überlebenskampf die seit einigen Jahrzehnten akute Gefährdung der Nomadenvölker Ostafrikas durch politische, zivilisatorische oder ökologische Eingriffe in die ohnehin prekäre Balance ihrer Lebenssituation gegenüber, bis hin zur Beschreibung des Weges vieler auch aus den von ihm beobachteten Gruppen in die Vorortslums der ostafrikanischen Metropolen und die dadurch erzwungene Aufgabe ihrer traditionellen Lebensformen und Überlebensstrategien.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.67 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: George Monbiot: Nomadenland. München: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3677-nomadenland_4922, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 4922
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
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