Skip to main content
/ 21.06.2013
Dieter Segert (Hrsg.)

Postsozialismus. Hinterlassenschaften des Staatssozialismus und neue Kapitalismen in Europa

Wien: Wilhelm Braumüller 2007 (Studien zur politischen Wirklichkeit 18); VIII, 220 S.; kart., 24,90 €; ISBN 978-3-7003-1594-0
Obwohl der Systemwandel in den mittel- und osteuropäischen Staaten mehr als anderthalb Jahrzehnte zurückliegt, reißt die Debatte um die Entwicklung der politischen und ökonomischen Systeme der Region nicht ab. Nach der empirischen Widerlegung der Konvergenzthese spricht man nunmehr von einer zunehmenden Diversität der Entwicklungswege der einzelnen Staaten. Im Mittelpunkt des vorliegenden Bandes steht das Bemühen, die Divergenz der politischen Ordnungen und Kapitalismen im heutigen Osteuropa mit dem Begriff des „Postsozialismus“, dem Fußen der neuen Regime auf dem Erbe des Staatssozialismus, zu erklären. Dabei spielt die Periode des Spätsozialismus eine entscheidende Rolle. Der spezielle, aus Elementen unterschiedlicher Systeme bestehende Charakter dieser Periode wird als direkte Vorstufe der gegenwärtigen post-sozialistischen Regime verstanden, was u. a. deren eigenartige Vermischung von neuen formalen Institutionen mit alten informellen Praktiken erklärt. Im Aufbau des Bandes werden länderbezogene Fallstudien durch vergleichende Beiträge ergänzt. In einem Beitrag zur Entwicklung der Wirtschaftselite in der Russländischen Föderation wird z. B. dargestellt, wie Unternehmer auf bereits in der Phase der Prestrojka entstandene informelle Systeme und Netzwerke zurückgriffen, um so der erhöhten Unsicherheit ihres neuen Eigentums entgegenzusteuern. Aus vergleichender Perspektive werden in einem zentralen Beitrag über das Phänomen „Postsozialismus“ die Konsequenzen der staatssozialistischen Hinterlassenschaften in Ostasien und Osteuropa untersucht. Dabei fällt auf, dass trotz der vielfältigen historischen und kulturellen Unterschiede durchaus „postsozialistische“ Gemeinsamkeiten vorhanden sind (enge Verknüpfung von Politik und Ökonomie, hohe Erwartungen der Bevölkerungen an den Staat, verbreitete Handlungsschwäche des Staates). Der „Osten“ könne allerdings, so die abschließende These, zukünftig auch als Laboratorium des Westens dienen, da essentielle Zukunftsprobleme moderner Demokratien (Problem sozialer Ungleichheit) hier bereits auf ihre Überwindbarkeit getestet würden.
André Härtel (ANH)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Rubrizierung: 2.22.222.232.612.62 Empfohlene Zitierweise: André Härtel, Rezension zu: Dieter Segert (Hrsg.): Postsozialismus. Wien: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27155-postsozialismus_31725, veröffentlicht am 12.08.2008. Buch-Nr.: 31725 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA