/ 12.06.2013
Bojan Bilić / Vesna Janković (Hrsg.)
Resisting the Evil. [Post-]Yugoslav Anti-War Contention
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012 (Southeast European Integration Perspectives); 288 S.; brosch., 49,- €; ISBN 978-3-8329-7208-0Die Balkanregion wird oft immer noch nur aus der recht engen Forschungsperspektive der Nachkriegstransformation und europäischen Integration betrachtet. Es lohnt sich aber, das Blickfeld zu erweitern und Südosteuropa als integralen Bestandteil der sich im Fluss befindlichen europäischen Geschichte zu verstehen. Dazu müssen zwangsläufig sozio‑ökonomische und ‑politische sowie kulturelle Kontexte stärker als bisher einbezogen werden. So lässt sich anhand der Entwicklung des Balkans besser der durch Migration, Globalisierung und Transnationalisierung hervorgerufene Wandel des gesamten Kontinents begreifen. Diese geweitete und offenere Sicht wollen die Reihenherausgeber Wolfgang Petritsch, ehemals Hoher Repräsentant für Bosnien und Herzegowina, und Christophe Solioz fördern. Sie haben zwei inhaltlich stark miteinander verbundene Bücher publiziert, die den Nachkriegsauseinandersetzungen gewidmet sind, die sie als eine potenziell „alternative history“ (23) des jugoslawischen Zerfalls verstehen. Im ersten der beiden Bücher (für das zweite siehe Buch‑Nr. 43643) lassen Bojan Bilić und Vesna Janković sowohl Wissenschaftler als auch Aktivisten aus dem gesamten Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens zu Wort kommen. Diese ermöglichen mithilfe der eigenen Biografien beziehungsweise eines transnationalen Ansatzes neue Analyseansätze und Formen des Verständnisses. Durch akribische Archivarbeit kann Marko Hren in seinem Beitrag die Anfänge der Slovensko mirovno gibanje (slowenische Friedensbewegung, SMG) rekonstruieren. Er bettet sie in den größeren Kontext der internationalen Friedens‑ und Demokratiebewegung ein und macht auf eine Möglichkeit zur Annäherung während der Vorkriegskrise aufmerksam, die bisher kaum erforschte wurde. Der Historiker Bojan Aleksov schreibt seine eigene Geschichte nieder, die nach seinem Militärdienst in der aktivistischen Frauengruppe Žene u crnom (Frauen in Schwarz, ŽUC) spielt. ŽUC nahm auch Männer auf, protestierte gewaltlos gegen den Krieg in Serbien und erklärte Solidarität zum Motto ihrer Aktivitäten. Indem die Autor_innen ihre autobiografischen Erlebnisse analytisch aufbereiten, schafft der Sammelband den Spagat zwischen wissenschaftlich‑nüchterner Analyse und subjektiven Erzählungen einzelner Protagonist_innen. Er liefert so einen – in dieser Form bisher kaum vorhandenen – Einblick in die Ereignisse auf dem Balkan während der 1990er‑Jahre.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.61 | 2.22 | 2.23 | 2.25 | 4.41 | 2.27 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Bojan Bilić / Vesna Janković (Hrsg.): Resisting the Evil. Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14557-resisting-the-evil_43644, veröffentlicht am 05.06.2013. Buch-Nr.: 43644 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenM. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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