Skip to main content
/ 20.06.2013
Gernot Erler

Russland kommt. Putins Staat - der Kampf um Macht und Modernisierung

Freiburg i. Br./Basel/Wien: Herder 2005 (Herder spektrum 5566); 190 S.; kart., 8,90 €; ISBN 3-451-05566-X
„Die ganze Welt fürchtete uns, die Wurst war billig, und wir waren wer!“ (157) Der russische Staatschef Putin teile diese rückwärtsgewandte Melancholie vieler seiner Bürger, schreibt Erler, der u. a. Vorsitzender der Deutsch-Russischen Parlamentariergruppe im Bundestag ist. Die Trauerarbeit am Verlust imperialer Größe sei noch nicht abgeschlossen, auch sei die Transformation der russischen Gesellschaft nach westlichem Muster erheblichen Gegenkräften ausgesetzt. Die gegenwärtige Politik der Regierung beschreibt Erler an drei Beispielen: an der Reaktion auf das Geiseldrama in Beslan im Zusammenhang mit dem Tschetschenien-Krieg, am Fall der Verhaftung des Chef des Erdölunternehmens Jukos, Chodorkowskij, sowie am Beispiel der Ablehnung der „Orangenen Revolution“ in der Ukraine. Deutlich würden damit vor allem Putins Schwierigkeiten mit der Entstehung einer Zivilgesellschaft. Erler sieht die Probleme Russlands pragmatisch, zu wichtig sei das Land als Handelspartner und zu groß die Abhängigkeit Deutschlands von den Erdöl- und Ergaslieferungen. Diese an der Realpolitik orientierte Bestandsaufnahme mündet in den Rat von Einbindung statt Ausgrenzung – früher hätte man dazu wohl Wandel durch Annäherung gesagt.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.622.252.22.22 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Gernot Erler: Russland kommt. Freiburg i. Br./Basel/Wien: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23559-russland-kommt_27047, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 27047 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA