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/ 04.06.2013
Alexander von Schelting

Rußland und Europa im russischen Geschichtsdenken. Auf der Suche nach der historischen Identität

Ostfildern: edition tertium 1997; 452 S.; geb., 68,- DM; ISBN 3-930717-41-7
Von Scheltings 1948 erstmals erschienener Band über die Suche nach der historischen Identität Rußlands gewinnt nicht nur angesichts der jüngsten Regierungs- und Systemkrisen in Moskau in erstaunlicher Weise an Aktualität. Beinahe ein Jahrzehnt nach den tiefgreifenden Umbrüchen in Osteuropa scheint die Frage, ob Rußland im neuen Jahrtausend den Spagat zwischen Ost und West überwinden kann, noch immer nicht beantwortbar. Bei der Suche nach der Antwort hat sich von Schelting, dessen Biographie selbst die Zerrissenheit zwischen Rußland und Europa widerspiegelt, methodisch an Max Weber orientiert und sich in seiner Argumentation auf den russischen Diskurs während der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts konzentriert. Der besondere Wert der Untersuchung liegt nicht zuletzt in der aus der Analyse der russischen Selbstperzeption abgeleiteten Forderung an das nach Ende des Zweiten Weltkrieges orientierungslos erscheinende Europa: "Vermag die 'Welt des Westens' ihre eigene geschichtliche Idee oder ihre Ideen nicht wieder zu ergreifen, die ihr zugehörigen Gesellschaften nicht auf diese Ideen zu verpflichten und um sie zu einigen, oder sind diese Ideen gar tot, dann wird sie den von ihr in der Geschichte noch beanspruchten Platz wohl kaum auf die Dauer behalten können." (323)
Christian Freuding (CF)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.624.222.23 Empfohlene Zitierweise: Christian Freuding, Rezension zu: Alexander von Schelting: Rußland und Europa im russischen Geschichtsdenken. Ostfildern: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6237-russland-und-europa-im-russischen-geschichtsdenken_8474, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 8474 Rezension drucken
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