/ 22.06.2013
Georg-Sebastian Holzer
Somaliland. Ein Beispiel für erfolgreiche Staatsbildung in Afrika
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2009 (Politik und Demokratie 17); 143 S.; 27,50 €; ISBN 978-3-631-58047-9Politikwiss. Diplomarbeit Wien; Gutachter: H. Kramer. – Nicht zuletzt aufgrund der enormen Zunahme von Piratenaktivitäten und der internationalen Versuche, diese einzudämmen, sind Somalia und das Horn von Afrika in jüngster Zeit wieder verstärkt in den Fokus von Wissenschaft und (Sicherheits)politik geraten. Während sich der größte Teil der Analysen und Handlungsanweisungen jedoch auf Zentral- und Südsomalia bezieht, findet der nordwestliche Teil Somalias, das seit 1991 unilateral unabhängige Somaliland, weder in der deutschen noch in der internationalen Debatte viel Aufmerksamkeit. Dies ist umso erstaunlicher, als aus diesem Staatsbildungsprozess durchaus wichtige Einsichten gewonnen werden könnten, auch wenn diese nicht direkt auf andere soziokulturelle Kontexte übertragbar sind. Holzer versucht, „die entscheidenden Merkmale und Akteure für den Wandel Somalilands hin zu einem erfolgreichen Staat, der durch Frieden und Sicherheit geprägt ist, ausfindig zu machen“ (18). Als theoretischen Rahmen nutzt Holzer Ansätze zur Analyse der Bedeutung informeller Institutionen der Konfliktbearbeitung, da er State-Building-Ansätzen zu wenig Erklärungskraft beimisst. Darauf aufbauend wird die soziopolitische Entwicklung Somalias bis 1991, sowie die Entwicklung Somalilands von 1991-2008 dargestellt. Eine Rückbindung an den eingangs genutzten theoretischen Rahmen erfolgt erst ganz am Schluss des Bandes. Holzer analysiert durchaus kritisch die verschiedenen Faktoren, die kurzfristig zur Stabilisierung des Landes beigetragen haben und diskutiert ihre Fähigkeit zur langfristigen Konfliktbeilegung. Langfristig plädiert er für eine Verstärkung internationaler Unterstützung, um den volatilen Demokratisierungsprozess fortzuführen. Kritisch ist die sehr starke Orientierung der Arbeit an bereits bestehenden Schriften anzumerken. Insbesondere die Gliederung des Kapitels zu Somaliland lehnt sich sehr stark an eine bereits veröffentlichte Arbeit an, auf diese wird jedoch nicht explizit verwiesen.
Matthias Seifert (MSE)
Politikwissenschaftler, Lehrer für Gemeinschaftskunde und Englisch, Gymnasium Englisches Institut Heidelberg.
Rubrizierung: 2.67 | 2.2 | 2.21
Empfohlene Zitierweise: Matthias Seifert, Rezension zu: Georg-Sebastian Holzer: Somaliland. Frankfurt a. M. u. a.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32373-somaliland_38629, veröffentlicht am 09.06.2010.
Buch-Nr.: 38629
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Politikwissenschaftler, Lehrer für Gemeinschaftskunde und Englisch, Gymnasium Englisches Institut Heidelberg.
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