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/ 21.06.2013

Srebrenica

Germinal Civikov

Srebrenica. Der Kronzeuge

Wien: Promedia 2009 (Brennpunkt Osteuropa); 176 S.; brosch., 15,90 €; ISBN 978-3-85371-292-4
Der Autor, Journalist und Literaturwissenschaftler, legt mit diesem Buch die Ergebnisse seiner Recherchen zu Fragwürdigkeiten im Verfahren des Jugoslawien-Tribunals vor. Es handelt sich um eine Lektüre, die dem Leser einiges zumutet. Der Autor legt ausführlich dar, dass der einzige Kronzeuge des Jugoslaiwen-Tribunals, der bosnische Kroate Dražen Erdemović, sich während seiner Aussagen in erhebliche Widersprüche verstrickt hat. So fragt Civikov, warum kein weiterer der sieben von Erdemo...
Germinal Civikov

Srebrenica. Der Kronzeuge

Wien: Promedia 2009 (Brennpunkt Osteuropa); 176 S.; brosch., 15,90 €; ISBN 978-3-85371-292-4
Der Autor, Journalist und Literaturwissenschaftler, legt mit diesem Buch die Ergebnisse seiner Recherchen zu Fragwürdigkeiten im Verfahren des Jugoslawien-Tribunals vor. Es handelt sich um eine Lektüre, die dem Leser einiges zumutet. Der Autor legt ausführlich dar, dass der einzige Kronzeuge des Jugoslaiwen-Tribunals, der bosnische Kroate Dražen Erdemović, sich während seiner Aussagen in erhebliche Widersprüche verstrickt hat. So fragt Civikov, warum kein weiterer der sieben von Erdemović genannten Täter befragt oder angeklagt wurde, warum offensichtlich abstruse Erklärungen über Opferzahlen und das Datum des Massakers von den Richtern nicht hinterfragt wurden. Dabei handele „es sich bei der Aussage von Erdemović um den wichtigsten direkten Beweis für das Geschehen, das als Völkermord an den bosnischen Muslimen festgeschrieben wurde“ (39). In einer „Arithmetik“ (66) des Grauens rechnet der Autor vor, dass eine Ermordung von ca. 1.200 Personen in angegebener Weise und Zeit kaum zu bewerkstelligen gewesen sein kann. Civikov fragt also, ob es nicht möglich ist, dass es sich um eine viel kleinere Zahl von Personen gehandelt hat, etwa 153 Menschen, die eigentlich für einen Gefangenenaustausch vorgesehen gewesen sein könnten und befehlswidrig von Söldnern erschossen wurden. Sollte dies der Fall gewesen sein, so ließe sich weder der Völkermord, wie geschehen, noch die Verantwortung General Mladićs, wie ebenfalls geschehen, anhand dieses Massakers beweisen. All diese Ungereimtheiten sowie das Urteil in Erdemovićs eigenem Prozess – er wurde für 70 bis 100 gestandene Morde zu nur drei Jahren Haft verurteilt – lassen den Autor zu dem Schluss kommen, „dass das Jugoslawien-Tribunal allen seinen Beteuerungen zum Trotz unter politischen Vorgaben arbeitet“ (154). Aber das Problem der Rekonstruktion bleibt bestehen, denn trotz aller Zweifel am Einzelfall wurden bisher mehr als 8.000 Leichen in der Region aus Massengräbern exhumiert und so ähneln sich auch alle Aussagen in Bezug auf das nach der Exekution anrückende schwere Räumgerät.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.34.412.612.25 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Germinal Civikov: Srebrenica. Wien: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30304-srebrenica_35960, veröffentlicht am 16.06.2009. Buch-Nr.: 35960 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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