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/ 03.06.2013
Wilhelm Dietl

Staatsaffäre. Hinter den Kulissen der Geheimdienste. Das Tauziehen um die deutschen Geiseln im Libanon

Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1997; 336 S.; geb., 39,80 DM; ISBN 3-421-05067-8
Die Entführung des Hoechst-Managers Rudolf Cordes und des Siemens-Technikers Alfred Schmidt in Beirut im Februar 1987 hielt seinerzeit monatelang die Öffentlichkeit in Atem. Kurz zuvor war der libanesische Luftpirat Mohammed Hamadi auf dem Frankfurter Flughafen festgenommen worden. Die Bemühungen um die Freilassung der beiden Deutschen entwickelte sich zu einer Staatsaffäre, bei der deutsche Behörden über ihre Geheimdienste, obskure arabische und iranische Mittelsmänner und auch den kürzlich wieder in die Schlagzeilen geratenen Privatdetektiv Werner Mauss die Freilassung der Geiseln betrieb. Den Ablauf dieser dramatischen Geschehnisse schildert der Autor, ein Journalist beim Magazin "Focus", mit akribischer Detailversessenheit auf der Basis zahlreicher Interviews mit nahezu allen Beteiligten und einer Vielzahl von teils geheimen Dokumenten. Er beschäftigt sich dabei im wesentlichen mit zwei Personengruppen: einerseits den Geiseln, zu denen auch noch mehrere Mitarbeiter einer deutschen Hilfsorganisation zählten, und andererseits denjenigen, die darum bemüht waren, sie zu befreien. Interessant ist dabei vor allem, wie Dietl die Rolle des sich immer wieder in die Schlagzeilen drängenden Geheimdienstkoordinators Bernd Schmidbauer bewertet. Obwohl dieser sich publikumswirksam als Befreier in Szene setzte, wird aus Dietls Interviews und Dokumentenanalyse deutlich, daß der eher im Verborgenen wirkende italienische UN-Unterhändler Giandomenico Picco unter großen persönlichen Risiken die Freilassung der Geiseln bewirkte.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.214.222.3242.632.25 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Wilhelm Dietl: Staatsaffäre. Stuttgart: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3195-staatsaffaere_4188, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 4188 Rezension drucken
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