/ 05.06.2013
Swadeshi
Kirsten Sames
Swadeshi. Der Unabhängigkeitsgedanke in Gandhis Wirtschaftskonzept
Stuttgart: Franz Steiner Verlag 1998 (Beiträge zur Südasienforschung 180); 228 S.; ISBN 3-515-07310-8Diss. Heidelberg; Erstgutachter: D. Rothermund. – In der umfangreichen Literatur zu Gandhis politischem Engagement und dessen Konzept der Gewaltlosigkeit fehlt es, laut Sames, an umfassenden Darstellungen seiner Vorstellungen zu einer wirtschaftlichen und sozialen Umgestaltung der indischen Gesellschaft, die untrennbar mit der politischen Unabhängigkeitsbewegung im Sinne Gandhis verbunden ist. Ausgehend von der Darstellung der wirtschaftlichen Ausgangssituation Indiens in der zweiten Hälft...
Kirsten Sames
Swadeshi. Der Unabhängigkeitsgedanke in Gandhis Wirtschaftskonzept
Stuttgart: Franz Steiner Verlag 1998 (Beiträge zur Südasienforschung 180); 228 S.; kart., 76,- DM; ISBN 3-515-07310-8Diss. Heidelberg; Erstgutachter: D. Rothermund. – In der umfangreichen Literatur zu Gandhis politischem Engagement und dessen Konzept der Gewaltlosigkeit fehlt es, laut Sames, an umfassenden Darstellungen seiner Vorstellungen zu einer wirtschaftlichen und sozialen Umgestaltung der indischen Gesellschaft, die untrennbar mit der politischen Unabhängigkeitsbewegung im Sinne Gandhis verbunden ist. Ausgehend von der Darstellung der wirtschaftlichen Ausgangssituation Indiens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden Gandhis praxisorientierte ökonomische Ideen auf der Grundlage der 90bändigen Collected Works (1984 abgeschlossen) dargestellt und abschließend deren Aktualität und Relevanz aus heutiger Sicht beurteilt. Die Rekonstruktion seines dynamischen, sich ständig weiterentwickelnden Wirtschaftskonzepts wird der erklärten Absicht Gandhis gerecht, nicht ein geschlossenes Gesamtkonzept erarbeiten zu wollen, welches noch weniger als wirtschaftswissenschaftliches Modell dienen könnte. Gandhis Idealvorstellungen sind vielmehr als eine Kritik der traditionellen Wirtschaftswissenschaften und deren angebliche Wertneutralität zu verstehen. In Fragen der Wirtschaft sollten bewußt moralisch-ethische Wertvorstellungen hineingetragen werden, welche die Grundlagen für die Gestaltung einer gewaltfreien und sozial gerechten Gesellschaft darstellten. Im Mittelpunkt der konkreten Ziele und Maßnahmen stehen der Gedanke der wirtschaftlichen Selbständigkeit nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch für die Dorfgemeinschaft. Während die Aufwertung der körperlichen Arbeit ("Bread-Labour") auf die Befriedigung der Grundbedürfnisse sowie Vollbeschäftigung abzielt, betont das Konzept der Treuhänderschaft ("Trusteeship", freiwilliger Verzicht auf Eigentum) den Aspekt der sozialen Gerechtigkeit und die Reduzierung der Bedürfnisse. Die Übertragbarkeit von Gandhis Wirtschaftskonzept auf andere historische, geographische und kulturelle Kontexte stößt auf große Vorbehalte. Dennoch zeigt das Umdenken in der heutigen Entwicklungspolitik, weg von einseitigen Modernisierungsinvestitionen, hin zu Programmen einer integrierten ländlichen Entwicklung, die Aktualität des "Swadeshi"-Konzeptes und der Forderungen nach Binnenorientierung und Subsistenz.
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 2.68 | 5.45 | 4.44 | 4.45
Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Kirsten Sames: Swadeshi. Stuttgart: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7382-swadeshi_9827, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 9827
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Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
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