/ 21.06.2013
Manfred Drennig
Tauschen und Täuschen. Warum die Gesellschaft ist, wie sie ist
Wien: Ueberreuter 2008; 512 S.; hardc., 24,95 €; ISBN 978-3-8000-7272-9Der Autor wagt sich an eine sehr umfassende Problematik, wenn er fragt, warum Menschen so handeln, wie sie handeln. Dabei geht er von einer wenn nicht pessimistischen, so doch negativen Gegenwartseinschätzung aus. Drennig stellt fest, dass die Ideen der Aufklärung umfunktioniert und zu herrschaftssichernden Leerformeln geworden seien. Die Komplexität der Moderne erschwere zudem den Diskurs der gesellschaftlichen Gruppen zur Herstellung einer gemeinsamen Vernunft. Zunehmend setze sich die Erkenntnis durch, dass weder Rechtsstaat noch Wirtschaftspolitik Lösungen anbieten könnten – Drennig warnt mit einem Sloterdijk-Zitat vor der Herrschaft der Wölfe. Mit dem Begriff des sozialen Tauschs will der Autor dann Ökonomie und Soziologie zusammenführen und einen möglichst umfassenden Weg zum Verständnis der Gegenwart ebnen. Mit den Begriffen tauschen und täuschen beschreibt er den Umgang mit Geld, Zuneigung und Macht. Alles menschliche Zusammenleben fuße auf der Basis eines Netzwerks sozialer Tauschbeziehungen: Wahl gegen Geld, Sicherheit gegen Gehorsam. Für den Autor ist somit nicht ein moralischer Verfall das Problem der Gegenwart, sondern die negative Seite des heutigen Zusammenlebens habe sich als logische Folge vernünftig angesehener Handlungen etabliert. Drennig will somit die Funktionslogik eines Denkens zeigen, das hoch individualistisch und instrumentell verfahre, um es schließlich reformieren zu können. Einen zentralen Platz in dem Band nimmt die Herausbildung einer stabilen Unterschicht ein.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2 | 2.22 | 2.61 | 2.64 | 2.68 | 2.3
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Manfred Drennig: Tauschen und Täuschen. Wien: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29117-tauschen-und-taeuschen_34405, veröffentlicht am 24.06.2008.
Buch-Nr.: 34405
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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