/ 04.06.2013
Hans-Joachim Fietkau / Helmut Weidner
Umweltverhandeln. Konzepte, Praxis und Analysen alternativer Konfliktregelungsverfahren - ein erweiterter Projektbericht
Berlin: edition sigma 1998; 375 S.; 44,- DM; ISBN 3-89404-176-5Das Buch basiert auf dem interdisziplinären Forschungsprojekt "Mediationsverfahren im Umweltschutz" der Abteilung "Normbildung und Umwelt" des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Es geht der Frage nach, ob Mediationsverfahren auch in Deutschland ein sinnvolles Instrument umweltpolitischer Konfliktlösung sein könnten. "Unter Mediationsverfahren werden Verhandlungsverfahren zur Regelung von Konflikten verstanden, an denen zwei oder mehrere Streitparteien freiwillig teilnehmen mit dem Ziel, in einem fairen und direkten (face-to-face) Kommunikationsprozeß Differenzen gemeinsam zu erkunden, Handlungsspielräume auszuloten und zu einer von allen Teilnehmern entwickelten und getragenen Lösung in Form einer Vereinbarung zu kommen. Hierbei werden sie von einer neutralen Person, dem Mediator oder der Mediatorin, unterstützt, deren Hauptaufgabe in der Gestaltung und Betreuung des Verfahrensablaufs liegt." (15 f.) Um die Anwendungsmöglichkeiten des Verfahrens zu prüfen, werden zum einen die dazu vorliegenden internationalen Befunde gesichtet, zum anderen die Erfahrungen aus einem Modellprojekt ausgewertet, das im nordrhein-westfälischen Kreis Neuss durchgeführt wurde. Das Hauptproblem der Mediationsverfahren liegt nach Ansicht der Autoren in der Gewährleistung einer gerechten Nutzen-Kosten-Verteilung, die oftmals nur durch Kompensationsgeschäfte und Paketlösungen hergestellt werden könne. Darüber hinaus bestehe die Gefahr, daß Verhandlungsprozesse von Vertretern organisierter Interessen zu Lasten der allgemeinen Öffentlichkeit dominiert werden. Die meisten Mediationsverfahren haben zumindest zu Teilerfolgen geführt, die jedoch von den Umweltorganisationen als solche nicht immer gewürdigt werden. Dennoch stellen sich die Mediationsverfahren aus der Binnenperspektive der Teilnehmer aufgrund der dort gemachten sozialen und Lernerfahrungen meist positiver dar als aus der Außenperspektive, wo es allein auf die Sachergebnisse ankommt.
Frank Decker (FD)
Prof. Dr., Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie, Universität Bonn.
Rubrizierung: 2.341 | 2.261 | 2.61 | 2.64
Empfohlene Zitierweise: Frank Decker, Rezension zu: Hans-Joachim Fietkau / Helmut Weidner: Umweltverhandeln. Berlin: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6126-umweltverhandeln_8338, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 8338
Rezension drucken
Prof. Dr., Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie, Universität Bonn.
CC-BY-NC-SA