/ 11.06.2013
Karl-Joseph Hummel (Hrsg.)
Vatikanische Ostpolitik unter Johannes XXIII. und Paul VI. 1958-1978
Paderborn u. a.: Ferdinand Schöningh 1999; VIII, 257 S.; kart., 58,- DM; ISBN 3-506-74008-3Im Jahre 1978 stand der Vatikan kurz davor, durch die Reorganisation und die damit verbundene Aufwertung der ostdeutschen Bistümer die DDR faktisch anzuerkennen - eine Annäherung, die die Ergebnisse der bundesrepublikanischen Deutschland-Politik seit 1949 gefährdet hätte. Nur der Tod von Papst Paul VI. verhinderte diesen Schritt. Er hätte den Gipfel einer Entwicklung markiert, die mit dem Amtsantritt von Papst Johannes XXIII. begann und von der zeitgeschichtlichen Forschung als "vatikanische Ostpolitik" qualifiziert wird. Die Rahmenbedingungen und Motivationen dieser Politik hat eine Tagung der Kommission für Zeitgeschichte im März 1998 in Augsburg diskutiert. Neben Akademikern kamen in diesem Rahmen auch Beteiligte zu Wort, die an der Vorbereitung der vatikanischen Ostpolitik, ihrer Umsetzung in der Berliner Bischofskonferenz oder der Formulierung der westdeutschen Reaktion unmittelbar beteiligt waren. Eine ausführliche Dokumentation ihrer Diskussion bildet das Kernstück des Tagungsbandes. Deutlich wird dabei, in welchem Maße die Bemühungen des Heiligen Stuhls, über Entspannungsgesten, Gespräche, Verhandlungen und Vereinbarungen mit den kommunistischen Regierungen Europas Erleichterungen oder Garantien für kirchliche Strukturen und kirchliches Leben in den betreffenden Staaten zu erlangen, das persönliche Werk der beiden Päpste jener Zeit gewesen sind. Sie bereiteten damit einer Annäherung der beiden politischen Blöcke den Boden, die in den siebziger Jahren ihre Form in der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa fand.
Inhalt: Heinz Hürten: Was heißt Vatikanische Ostpolitik? Eine einführende Skizze (1-17); Rudolf Lill: Zur Vatikanischen Ostpolitik unter Johannes XXIII. und Paul VI. (19-30); Rudolf Morsey: Die Haltung der Bundesregierung zur vatikanischen Kirchenpolitik in den früheren Ostgebieten des Deutschen Reiches 1958-1978 (31-78); Karl-Joseph Hummel: Der Heilige Stuhl, die katholische Kirche in Deutschland und die deutsche Einheit (79-106); Josef Becker: Die Vatikanische Ostpolitik 1958-1978, die DDR und Polen. Eine Einführung (107-111); Josef Pilvousek: Vatikanische Ostpolitik - Die Politik von Staat und Kirche in der DDR (113-134); Leonid Luks: Die Politik von Staat und Kirche in Polen (1956-1978) (135-154); Hans Maier: Auswertung und Perspektiven (155-161); Diskussion (163-252).
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 2.23 | 2.62 | 4.22
Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Karl-Joseph Hummel (Hrsg.): Vatikanische Ostpolitik unter Johannes XXIII. und Paul VI. 1958-1978 Paderborn u. a.: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10711-vatikanische-ostpolitik-unter-johannes-xxiii-und-paul-vi-1958-1978_12663, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12663
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
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