/ 12.06.2013
Mark Braverman
Verhängnisvolle Scham. Israels Politik und das Schweigen der Christen. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernardin Schellenberger
Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2010; 335 S.; geb., 29,99 €; ISBN 978-3-579-06684-4Der einer jüdischen Familie entstammende US-amerikanische Psychologe Braverman analysiert den israelisch-palästinensischen Konflikt aus einer persönlichen Haltung heraus. Vor allem weist er daraufhin, wie es im Nachwort des Theologen und Bibelforschers Walter Brueggemann zusammenfassend heißt, „dass die Wurzel dieses Konflikts in Israels Grundüberzeugung liegt, Gottes auserwähltes Volk zu sein“ (301). Diese Einstellung wurzele auf „einer uralten Stammesmentalität [...], die in der heutigen pluralistischen Welt nicht länger lebbar ist“ (303). Um seine Position zu verfechten, setzt sich Braverman unter anderem seitenlang in eher herabsetzender Form mit Alvin H. Rosenfeld, Direktor des Instituts for Jewish Culture and the Arts an der Indiana University und ein Fürsprecher Israels, auseinander. Den jüdischen Intellektuellen, die auf Kritik an Israel öffentlich reagieren und das Land verteidigen, unterstellt Braverman pauschal, „mitunter auch eine Fäkalsprache nicht“ (71) zu scheuen. Zugleich ist auffällig, dass sich der Amerikaner sprachlich mit Israel identifiziert – um in dessen Namen zu sprechen: „Wir müssen uns fragen, wie wir es dazu haben kommen lassen: dass wir jetzt in der Rolle der Unterdrücker sind“ (101). Schlussfolgernd fragt Braverman: „Wie können wir vom Zionismus freikommen und dennoch weiterhin unseren jüdischen Staat haben?“ Den Schlüssel zur Lösung des Konflikts sieht er bei den Christen, deshalb gelte es zuerst deren „Bereitschaft [...] klar die Stirn zu bieten, uns das Recht auf diese ethische, politische und theologische Mogelei einzuräumen“ (188). Braverman erhofft sich von den Christen, dass sie – auch theologisch und nicht mehr (allein) vor dem Hintergrund des Holocaust argumentierend – wichtige Impulse geben. Für Israel selbst konstatiert er: „Die Zeit für die Zwei-Staaten-Lösung läuft ab.“ (276) Insgesamt vermittelt Braverman eine einseitige Sicht des israelisch-palästinensischen Konflikts und öffnet – ungefragt – einer christlichen Missionierung die Tür. Einen wissenschaftlich weiterführenden Wert hat das Buch nicht.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.63 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Mark Braverman: Verhängnisvolle Scham. Gütersloh: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14502-verhaengnisvolle-scham_41392, veröffentlicht am 05.04.2012.
Buch-Nr.: 41392
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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