/ 21.06.2013
Manuela Zips-Mairitsch
Verlorenes Land? Indigene (Land)rechte der San in Botswana
Berlin: Dietrich Reimer Verlag 2009; 419 S.; 49,- €; ISBN 978-3-496-02830-7Rechtswiss. Diss. Wien; Gutachter: R. Potz, R. Kuppe. – Im Zentrum der Arbeit steht ein die Landrechte der San bestätigendes Urteil des Obersten Gerichtshofs in Botswana vom Dezember 2006. Diesem Prozess gingen zehn Jahre lang politische und physische Konflikte über den Verbleib der San im Nationalpark Central Kalahari Game Reserve (CKGR) voraus. Die Regierung argumentierte mit sozialen Imperativen der staatlichen Entwicklung, den wirtschaftlichen Kosten für die Erbringung von Sozialleistungen im Reservat und ökologischen Bedenken. Der Konflikt internationalisierte sich schließlich, Menschenrechtler, Nichtregierungsorganisationen und Politiker begannen Partei zu ergreifen. Zips-Mairitsch hat den Eindruck, „dass die verhärteten Positionen der Regierung mit der als Einmischung von außen empfundenen internationalen Intervention zu tun hatten“ (249). Zudem würden die San in der Meinung der Mehrheitsgesellschaft als rückständig gelten. Das Entwicklungsparadigma in Botswana, so die Autorin, richte sich am Bild der ökonomisch ausgerichteten Vieh- und Landwirtschaft aus. Dies kennzeichne auch die Regierungspolitik und erlaube „keine rechtliche oder symbolische Anerkennung anderer ‚traditioneller’ Kenntnisse“ (253). Das Land verfüge zwar über einen ausgeprägten Konstitutionalismus, Rechtsstaatlichkeit und Gewaltentrennung, jedoch gerade beim Schutz von indigenen Rechten falle Botswana im regionalen Vergleich zurück. Dem CKGR komme allerdings im Hinblick auf die hoffnungslose soziale Lage der San eine besondere Bedeutung als Rückzugsgebiet und Bezugspunkt einer selbstbestimmten sozialen Existenz jenseits abhängiger Lebensbedingungen zu, insofern sei er auch symbolisch hoch bedeutsam. Im Kontext der oben skizzierten Verbindungen kultureller Leitmuster und politischer Handlungsorientierungen kann das Urteil in der Praxis, so Zips-Mairitsch resümierend, nicht voll befriedigen. Die Regierung lege das Urteil höchst eng zugunsten der 189 Kläger aus, sodass beispielsweise bisher (Stand November 2008) für die San keine Jagdlizenzen ausgestellt worden seien.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.67 | 2.21 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Manuela Zips-Mairitsch: Verlorenes Land? Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31842-verlorenes-land_37966, veröffentlicht am 23.03.2010.
Buch-Nr.: 37966
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA