/ 22.06.2013
Markus Weingardt / Verena Brenner
Verpasste Chancen. Hindernisse für religiöse Friedensinitiativen
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010 (Religion – Konflikt – Frieden 3); 220 S.; 24,- €; ISBN 978-3-8329-5944-9Religion kann zu Unfrieden und Ungerechtigkeit in der Welt beitragen – das ist inzwischen ein Allgemeinplatz. Gleichzeitig wollen alle Weltreligionen als Friedensstifter auftreten. Die Friedens- und Konfliktforschung identifiziert gar eine spezifische Form von Konfliktbearbeitung, das „religious peacemaking“ (13). Religionsbasierte Akteure können also zur Befriedung politischer Gewaltkonflikte beitragen; gleichzeitig gibt es zahlreiche ungelöste Gewaltkonflikte, in denen genau diese Akteure ihr Friedenspotenzial offensichtlich nicht ausschöpfen. Hier setzen die Autoren an: Weingardt und Brenner fragen, worin Hindernisse für ein erfolgreiches aktives Friedensengagement religionsbasierter Akteure in gewaltsam ausgetragenen gesellschaftlichen oder politischen Konflikten bestehen. Sie betreten damit wissenschaftliches Neuland und stützen sich deshalb weitgehend auf eigene Überlegungen und die Ergebnisse eines früheren Forschungsprojektes, das in vierzig Fallbeispielen religiöse Friedensarbeit analysierte. In zwei Fallbeispielen werden solche religionsbasierten Akteure untersucht, die bereits in anderen Konflikten ihr Friedenspotenzial bewiesen hatten, nun aber scheiterten. Die Studie macht deutlich, mit welchen Hindernissen religiöse Friedensakteure konfrontiert sind und gibt Impulse, wie diese überwunden werden können. Als wichtigstes Hindernis für erfolgreiche Friedensarbeit identifizieren die Autoren dabei den „unbedingte[n] Wille[n] zum Frieden seitens des Friedensakteurs.“ (184) Gemeint ist damit nicht ein prinzipielles Für-Frieden-Sein, sondern „eine eindeutige theologische, ethische und politische Entscheidung in einer konkreten Konfliktsituation: Eine Entscheidung für den Vorrang konstruktiver Konfliktbearbeitung nicht nur gegenüber gewaltsamen, militärischen Interventionen [...], sondern auch gegenüber dem Streben nach materieller wie machtpolitischer Besitzstandswahrung potentieller Friedensakteure.“ (184).
Christiane J. Fröhlich (CJF)
Dr., Soziologie mit Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Hamburg.
Rubrizierung: 2.23 | 2.25 | 2.22 | 2.63 | 2.65 | 2.67 | 2.68 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Christiane J. Fröhlich, Rezension zu: Markus Weingardt / Verena Brenner: Verpasste Chancen. Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33513-verpasste-chancen_40102, veröffentlicht am 13.04.2011.
Buch-Nr.: 40102
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Dr., Soziologie mit Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Hamburg.
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