/ 11.06.2013
Versöhnung braucht Wahrheit
Joachim Braun (Hrsg.)
Versöhnung braucht Wahrheit. Der Bericht der südafrikanischen Wahrheitskommission. Aus dem Englischen übersetzt von Klaus Kochmann
Gütersloh: Chr. Kaiser / Gütersloher Verlagshaus 1999; 206 S.; ISBN 3-579-02291-1Die Edition des ZDF-Journalisten Braun gibt die deutsche Übersetzung wesentlicher Passagen des fünfbändigen Berichtes der Wahrheitskommission wieder. Diese hatte mit außergewöhnlichem Mandat zwischen 1995 und 1998 versucht, Licht in das Dunkel politischer Verantwortlichkeiten, brutaler Unterdrückung sowie hinterhältigen Mordens zu bringen. Im Vorwort schildert Braun den Ansatz der Kommission als "ein Modell, das Amnestie ermöglichte, aber gleichzeitig den Opfern die Zumutung einer generellen Str...
Joachim Braun (Hrsg.)
Versöhnung braucht Wahrheit. Der Bericht der südafrikanischen Wahrheitskommission. Aus dem Englischen übersetzt von Klaus Kochmann
Gütersloh: Chr. Kaiser / Gütersloher Verlagshaus 1999; 206 S.; kart., 29,80 DM; ISBN 3-579-02291-1Die Edition des ZDF-Journalisten Braun gibt die deutsche Übersetzung wesentlicher Passagen des fünfbändigen Berichtes der Wahrheitskommission wieder. Diese hatte mit außergewöhnlichem Mandat zwischen 1995 und 1998 versucht, Licht in das Dunkel politischer Verantwortlichkeiten, brutaler Unterdrückung sowie hinterhältigen Mordens zu bringen. Im Vorwort schildert Braun den Ansatz der Kommission als "ein Modell, das Amnestie ermöglichte, aber gleichzeitig den Opfern die Zumutung einer generellen Straffreiheit für ihre Peiniger ersparte" (11). Und weiter: "Amnestie sollte möglich sein, aber etwas kosten: die Täter mußten die Wahrheit sagen[. ...] Wer Amnestie beantragte, mußte sich selbst belasten. Er mußte in öffentlicher Sitzung vor einem Ausschuß von fünf Richtern seine Taten schildern, sich dem Kreuzverhör durch Anwälte der Opfer stellen und ein politisches Motiv nachweisen." (11) Dabei kamen teils unerhörte Pläne und Vorgänge zum Vorschein, wie etwa das Programm zur Entwicklung biologischer Kampfstoffe zum Einsatz gegen die Bevölkerungsmehrheit. Zugleich wurden aber auch prominente Angehörige des Widerstandes wie Winnie Mandela mit ihren Taten konfrontiert. Für die dabei entstandenen Probleme und die Kritik an der Arbeit der Kommission zeigt sich dessen Vorsitzender Tutu in seiner Einleitung erstaunlich aufgeschlossen. Gleichwohl stellt er in Abwägung der Alternativen das Modell von Versöhnung und Wahrheit überzeugend als einen unverzichtbaren Garanten des friedlichen Wandels in Südafrika dar. Innerhalb der einzelnen Kapitel finden sich markierte Auslassungen. Nicht berücksichtigt wurden Band 3 des Originalberichts mit der regionalspezifischen Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen sowie Band 4 mit den Sonderanhörungen gesellschaftlicher Organisationen.
Inhalt: Joachim Braun: Einführung (7-21); Desmond Tutu: Vorwort (22-30); 1. Historischer Hintergrund; 2. Das Mandat; 3. Menschenrechtsverletzungen des Apartheidstaates in den Nachbarländern 1960 bis 1990; 4. Menschenrechtsverletzungen des Apartheidstaates innerhalb Südafrikas 1960 bis 1990; 5. Der Konflikt in KwaZulu-Natal und die Rolle der Inkatha; 6. Menschenrechtsverletzungen der Befreiungsbewegungen 1960 bis 1990; 7. Politische Gewalt in der Phase der Verhandlungen und des Übergangs 1990 bis 1994; 8. Winnie Mandela; 9. Was macht einen Menschen zum Täter?; 10. Versöhnung und Einheit.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 2.67 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Joachim Braun (Hrsg.): Versöhnung braucht Wahrheit. Gütersloh: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10048-versoehnung-braucht-wahrheit_11883, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 11883
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Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
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