/ 12.06.2013
Heide Simonis
Verzockt! Warum die Karten von Markt und Staat neu gemischt werden müssen
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2010; 160 S.; 17,90 €; ISBN 978-3-525-30002-2Die frühere langjährige Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein befasst sich in diesem Band mit der Finanzkrise. Dabei handelt es sich weniger um eine Chronologie der Ereignisse, wie sie im Vorwort ausführt, sondern eher um „markante Szenen“ (7). Die Autorin beginnt mit einer Kritik der Rettung des deutschen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate, denn „was systemrelevant ist, ist durch Machteliten definiert, wird geschützt und systembewahrend gerettet“ (10). Zu den Alternativen einer Rettung äußert sie sich jedoch nicht, sondern wechselt thematisch zu einer Kritik des Konzepts der Bad Bank. Man könne nicht wirklich beziffern, führt sie aus, zu welchen Preisen und Konditionen solche toxischen Papiere abgenommen werden sollen, da gerade in ihrem unklaren Wert das Wesen dieser Papiere liege. Das Zögern vieler Banken, Geld vom Staat anzunehmen, führt Simonis darauf zurück, dass mit einer Antragsstellung eine externe Kontrolle verbunden ist. Als zentrales Problem der Krise identifiziert Simonis die Aktiengesellschaften, „sie sind der wichtigste Promoter eines ‚unendlichen‘ Wachstums, aber dadurch auch verantwortlich für dessen Überforcierung“ (143). Das Streben nach Gewinnmaximierung werde dadurch verstärkt, dass sich der Wert der Aktien am Gegenwartswert der Summe der mit dem Zinssatz abdiskontierten erwarteten zukünftigen Gewinne orientiere, erläutert die Autorin. Auf diese Weise steige mit der Produktion auch die Dividendenerwartung. Dies verleite zudem zur Aufnahme von Bankkrediten zum Kauf spekulativer Vermögenswerte. Simonis fordert eine Reform des Geldsystems, die sich an der Idee des hundertprozentigen Geldes des amerikanischen Ökonomen Irving Fisher orientieren könnte. Sodann, fährt sie fort, müsse dringend das Aktienrecht reformiert werden. Sie denkt hier unter anderem an eine begrenzte Geltungsdauer der börsennotierten Aktien und infolge der „unvollständigen Sozialbindung des Eigentums“ (146) daran, neue Unternehmensformen wie Stiftungen und Genossenschaften zu fördern.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.43 | 2.2 | 2.22 | 2.342 | 2.262 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Heide Simonis: Verzockt! Göttingen: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14462-verzockt_38307, veröffentlicht am 04.05.2010.
Buch-Nr.: 38307
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA