/ 04.06.2013
Jörg Marx
Völkermord in Rwanda. Zur Genealogie einer unheilvollen Kulturwirkung. Eine diskurshistorische Untersuchung
Hamburg: Lit 1997 (Demokratie und Entwicklung 25); 196 S.; 34,80 DM; ISBN 3-8258-3283-XMarx verwirft die gängigen ethnischen bzw. ideologischen Erklärungsmuster für den Völkermord in Rwanda als kurzatmige Neuauflagen kolonialer Logik. Inspiriert durch Foucaults Diskursanalyse versucht er statt dessen, "den Blick auf die Innenseite der Barbarei vom Frühjahr 1994 zu richten und das Unbegreifliche zu begreifen" (3). Der Genozid wird hierfür zurückverfolgt auf die "Ebene kultureller Welterzeugung und kollektiver Identitätsstiftung" (3). Auf dieser fundamentalen Ebene werden die gewaltsamen Auseinandersetzungen in Rwanda als um ethnische Identitäten und Differenzen angelegter Kulturkonflikt analysiert.
Ein zentrales Ergebnis der Studie lautet: Der Völkermord stellt vornehmlich eine Reaktion auf die Erosion im Repräsentationsregime des hegemonialen Hutu-Diskurses dar, ausgelöst durch Verschiebungen der antagonistischen Hutu-Tutsi-Figuration.
Inhaltsübersicht: I. Die Anatomie des Völkermordes von Rwanda; II. Im Fahrwasser Foucaults. Theoretisches Zwischenstück; III. Die Physiologie des Völkermordes von Rwanda; Epilog: Von Auschwitz nach Rwanda.
Christoph Emminghaus (cem)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.42 | 2.67
Empfohlene Zitierweise: Christoph Emminghaus, Rezension zu: Jörg Marx: Völkermord in Rwanda. Hamburg: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3812-voelkermord-in-rwanda_5402, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 5402
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Dr., Politikwissenschaftler.
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