/ 17.06.2013
Andrea Martel
Vom guten Parlamentarier. Eine Studie der Ethikregeln im US-Kongress
Bern/Stuttgart/Wien: Verlag Paul Haupt 2001 (Politikwissenschaft 24); 349 S.; kart., 38,86 €; ISBN 3-258-06336-2Politikwiss. Diss. St. Gallen; Gutachter: A. Riklin, R. Kley. - Macht und Verantwortung politischer Mandatsträger, oder besser die Schwierigkeiten, "die Herrschenden auf dem 'rechten Pfad' zu halten" (15), sind seit jeher Probleme der politikwissenschaftlichen Forschung und insbesondere der politischen Ethik. Von generellem Interesse ist dabei die Frage nach dem Übergang von legitimer Interessenvertretung seitens der Parlamentarier zu korrupter Beeinflussung. Der US-Kongress besitzt seit mehr als fünfzig Jahren ein umfassendes Regelwerk berufsethischer Vorschriften für seine Mitglieder, welches diese Frage verbindlich zu klären sucht. Trotz des exzellenten Forschungsstandes zum amerikanischen Kongress fanden die Ethikregeln bisher kaum die Aufmerksamkeit der politikwissenschaftlichen Forschung, so die Autorin des Bandes. Martel befasst sich mit berufsethischen Regeln des Kongresses, die eine pflichtgemäße Amtsführung der Parlamentarier zum Ziel haben und erlassen wurden, um das Institutionenvertrauen der Bevölkerung zu stärken. "Dabei werden zwei verschiedene, aber miteinander verbundene Absichten verfolgt: Einerseits sollen die Ethikregeln im Sinne einer staatlichen Maßnahme evaluiert werden, um Aufschluss darüber zu erhalten, ob und inwiefern sie sich dazu eignen, die Ziele, die der Kongress damit verfolgt, zu erreichen. Andererseits geht es aber auch darum, den normativen Gehalt dieser Vorschriften sichtbar zu machen und sie auf dem Hintergrund des politisch-ethischen Selbstverständnisses der Parlamentarier sowie einiger theoretischer Überlegungen zu beurteilen." (17) Der Aufbau der Arbeit folgt konsequent diesem Ansatz. Nach einer Darstellung der Grundlagen, in der die Pflichten der Abgeordneten sowie die Funktionen und Ziele der Ethikregeln zusammengetragen werden, erfolgt eine detaillierte Analyse der Inhalte der Regulierungsprinzipien. Im dritten Teil wird deren Entwicklung dargestellt und dabei immer wieder auf die konkreten Anlässe zum weiteren Ausbau der Regularien verwiesen. Im vierten Teil ihrer sehr detaillierten Studie evaluiert die Autorin das Regelwerk zum einen aus rein pragmatischer Sicht der Zweckerfüllung und zum anderen aus normativer Sicht.
Stefan Göhlert (SG)
M. A., Politikwissenschaftler, Protokollchef und Bürgerbeauftragter in der Verwaltung der Stadt Jena.
Rubrizierung: 2.64 | 2.21 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Stefan Göhlert, Rezension zu: Andrea Martel: Vom guten Parlamentarier. Bern/Stuttgart/Wien: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15477-vom-guten-parlamentarier_17636, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 17636
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M. A., Politikwissenschaftler, Protokollchef und Bürgerbeauftragter in der Verwaltung der Stadt Jena.
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