/ 06.06.2013
Janette Uhlmann
Warum sind demokratische Geber in Dilemmasituationen schlechte Demokratieförderer. Risiken und extrinsische Konflikte der Geber Frankreich und Bundesrepublik Deutschland in der Demokratieförderung gegenüber Algerien (1989-2004)
Online-Publikation 2011 (http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/frontdoor/index/index/docId/21797); 291 S.Politikwiss. Diss. Frankfurt; Begutachtung: L. Brock, A. Jünemann. – Uhlmann beschreibt, dass demokratiefördernde Geberstaaten bei dem Versuch, eine Demokratieförderpolitik in Nehmerländern zu betreiben, mit komplexen Wirkungszusammenhängen konfrontiert werden. Dadurch könne es dazu kommen, dass sich für die Geberländer ein Zielkonflikt ergebe: Auf der einen Seite solle der Demokratisierungsprozess unterstützt werden, auf der anderen Seite können sich jedoch innerhalb dieses Prozesses Wirkungen einstellen, die mit den harten Stabilisierungsinteressen der Geberländer kollidierten. Auf diese Weise seien die Geberländer einem Demokratie-Stabilitätsdilemma ausgesetzt. Uhlmann belegt diese Aussagen mit einem Vergleich der Demokratieförderstrategien Frankreichs und Deutschlands gegenüber Algerien in den 1990ern-Jahren. Hier führt die Autorin eine empirische Analyse mit der Intention durch, die auftretenden Zielkonflikte und Anpassungsreaktionen der Geberländer aufzuzeigen. Das Ergebnis der Studie ist nicht überraschend: Kommt es zu dem gerade beschriebenen Zielkonflikt zwischen Demokratieförderungspolitik und Stabilisierungsinteresse, tritt das Ziel der Demokratisierung in den Hintergrund. Uhlmann verdeutlicht dieses Verhalten anhand einer Untersuchung der Risiken und Bedrohungen sozialer, wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Art, die sich für die Geberländer im Demokratisierungsprozess ergeben und die am Ende einer kohärenten Umsetzung der Demokratieförderpolitik im Weg stehen. Ausschlaggebend für einen Strategiewandel zugunsten einer risikoärmeren Strategie der Geberländer seien dabei die Risikowahrnehmung und die räumliche Betroffenheit der Geber. Zusätzlich spielten die historischen Beziehungen zwischen den Geber- und Nehmerländern wie auch die internen Bedingungen in den Geberländern eine zentrale Rolle. Uhlmann sieht in diesem Ergebnis einen hohen praktischen Wert für die Politikgestaltung. Sie konstatiert einen Bedarf an gezielter Konfliktanalyse- und Prognosefähigkeit, wobei die Realitäten des Nehmerlandes und die potenziell auftretenden konfligierenden Wechselwirkungen miteinbezogen werden müssten, um eine gezielte Förderpolitik zu entwickeln.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.44 | 4.21 | 4.22 | 2.67 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Janette Uhlmann: Warum sind demokratische Geber in Dilemmasituationen schlechte Demokratieförderer. 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9173-warum-sind-demokratische-geber-in-dilemmasituationen-schlechte-demokratiefoerderer_41732, veröffentlicht am 15.03.2012.
Buch-Nr.: 41732
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Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
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