/ 20.06.2013
Jürgen Elsässer
Wie der Dschihad nach Europa kam. Gotteskrieger und Geheimdienste auf dem Balkan
St. Pölten/Wien/Linz: NP-Buchverlag 2005; 246 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-85326-376-3Elsässer behandelt ein Thema, das erst mit dem 11. September 2001 seine besondere, öffentlich gemachte Brisanz erhalten hat: Inwieweit ist die CIA verwickelt in die Einschleusung der „Gotteskrieger“ vor allem nach Bosnien-Herzegowina? Und welche Rolle haben diese muslimischen Kämpfer bei der Vorbereitung und Durchführung der Anschläge am 11. September gespielt? Wie so häufig bei der Befassung mit Nachrichtendiensten oszilliert der Informationsgehalt zwischen Desinformation und nachprüfbarer Tatsache. Abgesehen davon, dass die CIA ein Akteur ist, dem man nicht erst seit kurzem alle möglichen politischen Kurzsichtigkeiten zutraut, so scheint doch deutlich zu sein, dass das amerikanische Experiment im Balkan-Krieg außer Kontrolle geraten ist und die zunächst mit großem Aufwand nach Bosnien eingeschleusten muslimischen Kämpfer eine bedrohliche Eigeninitiative entwickelten. Elsässer liefert eine lesenswerte Sammlung alter und neuer Gerüchte, alter und neuer Erkenntnisse. Dazu gehört auch die bewährte Einsicht, dass die internationale Berichterstattung zum Balkan-Krieg keineswegs überraschend am Nasenring der Desinformation durch die Kriegslandschaft geführt worden ist: von den Bosniaken, den Serben, den Kroaten und nicht zuletzt durch die internationalen Akteure und Interessenten. Insofern ist Elsässers Darstellung ein Korrektiv für diejenigen, die die Balkan-Politik nur auf der offiziell gebotenen Bühne erkennen wollen und entsprechend realitätsfern beschreiben.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.25 | 2.61 | 2.63
Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Jürgen Elsässer: Wie der Dschihad nach Europa kam. St. Pölten/Wien/Linz: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23655-wie-der-dschihad-nach-europa-kam_27166, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 27166
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Dr., Historiker.
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