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/ 18.06.2013
Gerda Lerner

Zukunft braucht Vergangenheit. Warum Geschichte uns angeht. Aus dem Amerikanischen von Walmot Möller-Falkenberg

Königstein/Ts.: Ulrike Helmer Verlag 2002 (Aktuelle Frauenforschung); 332 S.; pb., 22,90 €; ISBN 3-89741-096-6
Der Essayband verbindet autobiografische Reflexionen der jüdischen Historikerin mit den Ergebnissen ihrer über 30-jährigen Forschung zur amerikanischen Frauen- und Minderheitengeschichte. Verbindendes und zentrales Anliegen der zwischen 1980 und 1996 entstandenen Aufsätze ist es, Geschichte als Phänomen neu zu denken. Zukunft braucht das Verständnis der Vergangenheit, weil dieses die Stellung und das Selbstbild des Individuums sowie sozialer Gruppen in der Gesellschaft nachhaltig bestimmt. Im Zentrum der Neuformulierung des begrifflichen Paradigmas stehen die unscharfen Kategorien "Geschlechtsrolle", "Klasse", "Rasse" und "ethnische Zugehörigkeit" (14). Dieses Grundschema versucht die Autorin insbesondere in ihrem theoretischen Aufsatz "Das Paradigma überdenken: I. Klasse, II. Rasse" aufzulösen und "die Beziehungen zwischen den verschiedenen Aspekten von Dominanz auf eine ganzheitlich-funktionsbezogene Weise" (217) neu zu definieren. Die verschiedenen Kategorien sozialer Dominanz seien isoliert voneinander nicht angemessen zu erklären, da diese "nicht nur miteinander verbunden", sondern "konstitutiv füreinander" seien. Die Ausgrenzung und Benachteiligung von Frauen und Minderheiten in der Gesellschaft hat nach Lerner einen wesentlichen Grund in der unangemessenen Verwendung von sozial konstruierten Klassifikationen. Um die Ursachen von Diskriminierung verstehen und möglicherweise beseitigen zu können, müssen die marginalisierten Gruppen der Gesellschaft in das Zentrum der historischen Forschung rücken. Dieser Aufgabe widmet sich die Autorin als Pionierin der Frauengeschichtsschreibung und Genderforschung erfolgreich seit den frühen 70er-Jahren, nicht zuletzt durch den Aufbau neuer Graduiertenstudiengänge.
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 2.272.64 Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Gerda Lerner: Zukunft braucht Vergangenheit. Königstein/Ts.: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17168-zukunft-braucht-vergangenheit_19749, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19749 Rezension drucken
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