/ 04.07.2013
Henryk Alff
Zwischen Geburtsort und Land der Vorväter. Die Rolle sozialer Netzwerke von Kasachen aus der Mongolei im postsowjetischen Migrations- und Inkorporationsprozess
Berlin: Lit 2012 (Gesellschaftliche Transformationen 18); XIII, 184 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-643-11359-7Diss. Potsdam. – Nach Auflösung der Sowjetunion und der Etablierung neuer Staaten kam es im „postsowjetischen Raum“ (1) zu erheblichen Wanderungsbewegungen – das gilt auch für Kasachstan. In den ersten fünf Jahren der staatlichen Unabhängigkeit, zwischen 1991 und 1996, verließen fast 1,9 Millionen Menschen das Land, ein Teil von ihnen lebt seither in der Mongolei. Dieser Gruppe widmet sich Henryk Alff, indem er die Migrationsprozesse zwischen der Mongolei und Kasachstan seit Beginn der 1990er‑Jahre untersucht und fragt, inwieweit diese durch grenzüberschreitende soziale Bindungen beeinflusst werden. Befragungen von Migranten haben ergeben, dass sie weiterhin einen intensiven, grenzüberschreitenden Austausch mit Verwandten pflegen. Daher formuliert Alff die These, „dass die enge Vergemeinschaftung in sozialen Netzwerken sich auch nach Beginn der massiven Auswanderung vieler Kasachen erhalten hat“ und noch immer eine „sehr wichtige alltägliche Bedeutung in der (Über‑)Lebenssicherung sowohl der Migranten als auch ihrer Verwandten in der Mongolei spielt“ (3). Er zeigt die Charakteristika der Wanderungs‑ und Inkorporationsprozesse von Angehörigen der kasachischen Minderheit in der Mongolei, die durch grenzüberschreitende Netzwerke geprägt sind, auf und stellt die Funktion dieser sozialen Bindungen zwischen Angehörigen in beiden Staaten in den Zusammenhang der politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen im mongolisch‑kasachischen Migrationssystem. Nach den intensiven Wanderungsbewegungen zu Beginn der 1990er‑Jahre waren die grenzüberschreitenden Interaktionen zwischen Verwandten in beiden Staaten oft unterbrochen, so lautet ein Ergebnis der Arbeit. Die Ursachen hierfür sieht Alff in den sozioökonomischen und politischen Unzulänglichkeiten der frühen Transformationsphase in beiden Staaten, die sich auf die soziale Lage der betroffenen Personen auswirkte. Mit der Verbesserung der Transport‑ und Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Kasachstan und der Mongolei seit Beginn des neuen Jahrtausends und dem ökonomischen Boom in Kasachstan kam es zu einer Belebung grenzüberschreitender Aktivitäten. Mittlerweile pflegt – wie die Haushaltsbefragungen des Autors im Umland der ehemaligen kasachischen Hauptstadt Almaty und im westlichen Verwaltungsgebiet der Mongolei zeigten – der überwiegende Teil der befragten Kasachen regelmäßigen Kontakt zu Verwandten. Somit sieht der Autor zwar seine These bestätigt, beobachtet aber insgesamt eine „geringe Transaktionsdichte“ (153) zwischen beiden Staaten.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.42 | 2.68
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Henryk Alff: Zwischen Geburtsort und Land der Vorväter. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35904-zwischen-geburtsort-und-land-der-vorvaeter_43326, veröffentlicht am 04.07.2013.
Buch-Nr.: 43326
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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