/ 22.06.2013
Jelena Bäumler / Cindy Daase / Christian Schliemann / Dominik Steiger (Hrsg.)
Akteure in Krieg und Frieden
Tübingen: Mohr Siebeck 2010 (Jus Internationale et Europaeum 43); X, 240 S.; brosch., 54,- €; ISBN 978-3-16-150307-8Mit dem weit gefassten Rahmenthema wird der Blick auch auf die Berücksichtigung nichtstaatlicher Akteure in aktuellen Entwicklungen im Kriegs- und Friedensrecht möglich. Diese Akteure waren bislang – im Gegensatz zum Staat als dem klassischen Akteur des Völkerrechtes – als solche gar nicht verstanden worden. Ralph Nikol untersucht nun beispielsweise die Stellung von Terroristen im Rahmen des humanitären Völkerrechtes. Dies geschieht vor dem Hintergrund der Schließung des umstrittenen US-Gefangenenlagers Guantanamo Bay und der Veröffentlichung eines geheimen CIA-Berichtes, in dem die Unmenschlichkeit der dortigen Verhörmethoden und Haftbedingungen offengelegt wurde. Der Autor vertritt die Ansicht, dass Terroristen prinzipiell vom Schutzbereich des humanitären Völkerrechtes erfasst werden. Allerdings bestehen Zweifel über die Art und den Umfang der gewährten Schutzrechte. Gleiches gelte für die Rechtmäßigkeit der Methoden zur Bekämpfung des Terrorismus. Als Konsequenz seiner Untersuchung plädiert er für die Klärung bestehender Grauzonen durch die Fortentwicklung des humanitären Völkerrechtes. Hartmut Kahl diskutiert außerdem die Herausforderungen, vor denen die Weltgemeinschaft angesichts des fortschreitenden Klimawandels steht. Dazu gehört auch der Umgang mit Klimaflüchtlingen, deren Zahl sich in den nächsten Jahrhunderten deutlich erhöhen werde. Der Autor sieht in diesem Bereich eine wichtige Funktion des Völkerrechts. Kahl liefert ein anschauliches Beispiel für zukünftige völkerrechtliche Probleme, indem er fragt, was eigentlich mit der Staatlichkeit eines Gemeinwesens geschehe, dessen Territorium im Pazifik untergegangen sei und dessen Bewohner zwar ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht auf einer höher gelegenen Nachbarinsel erlangt hätten, dort aber keine Staatsbürger seien. Die Beiträge des Bandes resultieren aus einem Workshop des Arbeitskreises junger Völkerrechtler vom November 2009 in Berlin.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 4.1 | 4.41 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Jelena Bäumler / Cindy Daase / Christian Schliemann / Dominik Steiger (Hrsg.): Akteure in Krieg und Frieden Tübingen: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33311-akteure-in-krieg-und-frieden_39836, veröffentlicht am 02.02.2011.
Buch-Nr.: 39836
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Politikwissenschaftlerin.
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