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/ 20.06.2013
Thomas Wittek

Auf ewig Feind? Das Deutschlandbild in den britischen Massenmedien nach dem Ersten Weltkrieg

München: R. Oldenbourg Verlag 2005 (Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London 59); 437 S.; Ln., 49,80 €; ISBN 3-486-57846-4
Geschichtswiss. Diss. Augsburg; Gutachter: A. Wirsching, A. P. Luttenberger, C. Eisenberg. – Gab es nach dem Ende des Ersten Weltkriegs Versuche seitens der Politik, das Deutschlandbild der britischen Öffentlichkeit zu lenken? Oder haben nicht vielmehr umgekehrt die Massenmedien (Zeitungen, Wochenschauen) außenpolitische Entscheidungen beeinflusst? Wittek, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Britischen Generalkonsulat in Düsseldorf, orientiert sich in erster Linie an den Akteuren – Journalisten und Politikern – und ihren Kommunikationsnetzwerken. Außerdem werden die zentralen Themen der damaligen Berichterstattung beschrieben. Dazu gehören die unmittelbare Nachkriegsphase bis zur Unterzeichnung des Versailler Vertrags im Juni 1919, das Krisenjahr 1923, in dem sich auch die britische Außenpolitik neu orientierte, sowie das Jahr 1925, in dem Hindenburg zum deutschen Reichspräsidenten gewählt und der Vertrag von Locarno im Zeichen der Aussöhnung der ehemaligen Kriegsgegner geschlossen wurde. Wittek stützt seine umfangreiche Analyse auf die Perzeptionsgeschichte, literaturwissenschaftliche Komparatistik, empirische Sozialforschung sowie die Kommunikations- und Politikwissenschaft und zeigt auf dieser Basis, wie sich die britischen Feindbilder (‚Once a Hun, always a Hun!‘) vor allem aufgrund der wirtschaftlichen, militärischen und außenpolitischen Schwäche Deutschlands langsam änderten. Im Gegenzug sei Frankreich zum neuen Feind avanciert. Wittek entwickelt aus diesem Wahrnehmungswandel einen roten Faden hin zur Appeasement-Politik, die von der britischen Öffentlichkeit akzeptiert wurde. Er weist dabei beispielhaft nach, „dass durch das ‚System der massenmedialen Öffentlichkeit‘ Themen und Meinungen aufgenommen, verarbeitet und korrigiert werden und sich in bestimmten Konstellationen derart verdichten, dass sie für die Politik handlungsrelevant werden“ (396).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.612.222.3114.22 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Thomas Wittek: Auf ewig Feind? München: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24515-auf-ewig-feind_28313, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 28313 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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