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/ 07.06.2013
Heinrich Best / Everhard Holtmann (Hrsg.)

Aufbruch der entsicherten Gesellschaft. Deutschland nach der Wiedervereinigung

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2012; 491 S.; geb., 39,90 €; ISBN 978-3-593-39774-0
Seit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1989 werden von der Öffentlichkeit Gemeinsamkeiten und Unterschiede von West- und Ostdeutschen im Prozess der Schaffung gleicher Lebensumstände aufmerksam verfolgt. Auch wenn bis heute keineswegs überall in Ostdeutschland „blühende Landschaften“ angelegt wurden, haben sich die beiden Teile Deutschlands in vielerlei Hinsicht einander angenähert. Im Rahmen eines DFG-Forschungsprojektes haben die Autoren den Transformationsprozess seit der Wende verfolgt, sodass dieser Band nun eine Vielzahl von Beiträgen zur Entwicklung und Veränderung von Eliten sowie zum Arbeitsmarkt und den beteiligten Akteuren umfasst. Die institutionelle Transformation Ostdeutschlands halten sie für weitgehend abgeschlossen, so seien zum Beispiel das föderale politische System und die kommunale Selbstverwaltung etabliert und funktionsfähig. Institutionen veränderten sich aber schneller als Menschen, so Steffen Schmidt und Hartmut Rosa, die gesellschaftlich kulturelle Transformation sei noch in vollem Gang. Nichtsdestoweniger seien auch hier bereits gewisse Verfestigungen erkennbar. Gesellschaftlich lasse sich in diesem Zusammenhang die Einschränkung der sozialen Mobilität nach oben nennen, die den Abschluss bestimmter Bevölkerungsgruppen gegenüber anderen Bevölkerungsschichten nach sich ziehe. Besonders gefährdet sehen die Autoren hier Personen in prekären Beschäftigungsverhältnissen, die sogenannten Verlierer der Wende. Eine daraus abzuleitende und manifeste Ungleichheit wird außerdem an einer „westlichen Überschichtung“ (436) festgemacht, die Ostdeutsche strukturell bei der Besetzung von Führungspositionen benachteilige. Dieser anspruchsvolle Band zur Transformation Ostdeutschlands nach der deutschen Wiedervereinigung vermittelt einen detaillierten Überblick über die Strategien der ostdeutschen Gesellschaft zwischen Anpassung, Veränderung und Ablehnung eines neuen Systems.
Jens Wassenhoven (JWN)
Dipl.-Kfm., Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.32.3142.3152.3252.3312.3422.343 Empfohlene Zitierweise: Jens Wassenhoven, Rezension zu: Heinrich Best / Everhard Holtmann (Hrsg.): Aufbruch der entsicherten Gesellschaft. Frankfurt a. M./New York: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9222-aufbruch-der-entsicherten-gesellschaft_43173, veröffentlicht am 24.01.2013. Buch-Nr.: 43173 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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