/ 17.06.2013
Wissenschaftlicher Beirat für Familienfragen
Ausbildung, Studium und Elternschaft. Analysen und Empfehlungen zu einem Problemfeld im Schnittpunkt von Familien- und Bildungspolitik. Gutachten für das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen, Jugend
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011 (Familie und Familienwissenschaft); IX, 181 S.; 29,95 €; ISBN 978-3-531-18015-1Während sich politische Parteien und viele gesellschaftliche Gruppierungen darin einig sind, dass Erwerbstätigkeit und Elternschaft vereinbar sein sollten, ist die Frage der Vereinbarkeit von beruflicher Ausbildung bzw. Studium und Elternschaft bislang kein zentrales Thema im öffentlichen Bewusstsein und in politischen Debatten. Diese Thematik wird in diesem Gutachten aufgegriffen und damit das Ziel verfolgt, „die ‚strukturelle Rücksichtslosigkeit‘ des Bildungssystems gegenüber Belangen von Familien“ (8) zu analysieren und Maßnahmen zu ihrer Überwindung vorzuschlagen. Da sich die Ausbildungszeiten junger Männer und Frauen verlängern, könnte der Anteil derer steigen, die während ihres Studiums oder ihrer Ausbildung Kinder haben werden. Für junge Paare wird es zunehmend schwieriger, in ihrem Lebenslauf ein Zeitfenster für die Familiengründung zu finden, weshalb rund 30 Prozent der Frauen mit Hochschulabschluss in Westdeutschland kinderlos bleiben. So werden in diesem Gutachten konkrete Empfehlungen ausgesprochen, wie es jungen Eltern ermöglicht werden kann, eine duale Ausbildung zu passieren – etwa indem Teilzeitausbildung und eine Verlängerung der Ausbildungszeit zugelassen werden. Ebenso wird ein Bündel an Maßnahmen vorgeschlagen, das junge Eltern in die Lage versetzt, zu studieren. Hierzu zählen beispielsweise Teilzeitstudiengänge, die dem geringeren zeitlichen Budget von Eltern Rechnung tragen, oder die Idee, Pflichtveranstaltungen in Kernzeiten zu legen, während derer eine geregelte Kinderbetreuung eher gesichert ist als in Randzeiten, und vor allem eine generelle Verbesserung der Kinderbetreuung, die zudem beitragsfrei sein sollte. Den Verfassern des Gutachtens geht es nicht darum, einen besonderen Anreiz zu schaffen, schon während eines Studiums oder einer beruflichen Ausbildung eine Familie zu gründen. Vielmehr verdeutlichen sie, welche Probleme mit einer Elternschaft während einer Ausbildung und eines Studiums einhergehen und zielen darauf ab, „Benachteiligungen zu minimieren, denen eine nicht zu vernachlässigende Zahl der betroffenen jungen Menschen ausgesetzt ist“ (164). Elternschaft sollte nicht auf Kosten von Ausbildung und Studium gelebt und eine Ausbildung oder ein Studium nicht zulasten von Elternschaft erworben werden müssen, heißt es im Resümee dieses Gutachtens.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.343
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Wissenschaftlicher Beirat für Familienfragen: Ausbildung, Studium und Elternschaft. Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14882-ausbildung-studium-und-elternschaft_40752, veröffentlicht am 08.03.2012.
Buch-Nr.: 40752
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
CC-BY-NC-SA