/ 17.06.2013
Helmut Rumpler (Hrsg.)
Bernard Bolzano und die Politik. Staat, Nation und Religion als Herausforderung für die Philosophie im Kontext von Spätaufklärung, Frühnationalismus und Restauration
Wien/Köln/Graz: Böhlau Verlag 2000 (Studien zu Politik und Verwaltung 61); 423 S.; brosch., 43,80 €; ISBN 3-205-99327-6Die politikwissenschaftliche Relevanz des "Universalwissenschaftlers" (13) Bolzano (1781-1848), der besonders als Wissenschaftstheoretiker bleibende Beachtung findet, wird biografisch greifbar mit der Entlassung von seinem Lehrstuhl für Religion in Prag 1819. Dafür waren nicht allein theologische Kontroversen, sondern eben auch politische Differenzen verantwortlich: auch wenn seine liberale Position nicht so revolutionär war, wie bisweilen behauptet wird, sondern der Ordnungsgedanke eine begrenzende Rolle spielte (siehe die Einleitung des Herausgebers), so waren seine Ansichten doch keinesfalls "metternichisch" korrekt. Bolzano wird in diesem Band der aus einem Workshop der Österreichischen Forschungsgemeinschaft 1999 in Wien hervorgegangen ist, vor allem von seiner Wirkung her betrachtet.
Inhalt: Elemente der politischen Philosophie Bolzanos: Margret Friedrich: Bolzanos Projekt der Aufklärung. "Was zur Herbeiführung einer besseren Zeit schon durch uns selbst geleistet werden könne" (23-48); Manfried Welan: Bolzanos Lehre vom Staat (49-60); Kurt Strasser: Cabale und Liebe. Der politische Gehalt der "Erbauungsreden" (61-76); Jan Havránek: Das politische Klima an der Prager Universität zur Zeit Bolzanos (77-86). Bolzanos Konflikt mit der österreichischen Restaurationspolitik: Günther Kronenbitter: "Freiheit" und "Ordnung" bei Friedrich von Gentz (89-104); Rolf Decot: Klemens Maria Hofbauer - Konservativer Erneuerer der Kirche Österreichs (105-130); Hermann H. Schwedt: Rom und der europäische Reformkatholizismus im Vormärz (131-148); Jane Regenfelder: Der sogenannte "Bolzano-Prozeß" und das Wartburgfest (149-178). Bolzano und die nationalliberale Bewegung im österreichischen Vormärz: Jaromír Loužil: Bernard Bolzano, Josef Jungmann und die Anfänge der tschechischen Nationalbewegung (181-200); Jiri Koralka: František Palacký und die böhmischen Bolzanisten (201-220); Brigitte Mazohl-Wallnig: Der Einfluß Bolzanos und der Bolzanisten auf die österreichische Universitätsreform der Jahre 1848/49 (221-246); Otto Weiß: Bolzanisten und Güntherianer in Wien 1848-1851 (247-280). Politische und philosophische Fernwirkungen Bolzanos: Katrin Keller: Zur politischen Relevanz des Bolzanismus in Sachsen. Das Beispiel des Hofpredigers Emil Heine (1806-1873) (283-310); Wolfgang Künne: Die Geschichte der philosophischen Bolzano-Rezeption bis 1939 (311-352); Rudolf Haller: Bemerkungen über Bolzano und die österreichische Philosophie (353-369).
Guido Koch (GK)
Dr., Politikwissenschaftler, Qualitätsmanagment, GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften.
Rubrizierung: 5.33 | 2.4
Empfohlene Zitierweise: Guido Koch, Rezension zu: Helmut Rumpler (Hrsg.): Bernard Bolzano und die Politik. Wien/Köln/Graz: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15523-bernard-bolzano-und-die-politik_17691, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 17691
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Dr., Politikwissenschaftler, Qualitätsmanagment, GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften.
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