/ 22.06.2013
Gérard Bökenkamp
Das Ende des Wirtschaftswunders. Geschichte der Sozial-, Wirtschafts- und Finanzpolitik in der Bundesrepublik 1969-1998
Stuttgart: Lucius & Lucius 2010; VIII, 569 S.; geb., 49,- €; ISBN 978-3-8282-0516-1Geschichtswiss. Diss. FU Berlin; Gutachter: H. Köhler, D. Koerfer. – Die wirtschaftliche und soziale Lage Ende der 60er-Jahre entsprach einem „Idealzustand“ (529), die Defizite und Arbeitslosenzahlen von damals waren kein Vergleich zu den Arbeitsmarktstatistiken in den Jahrzehnten danach. In der Mitte der siebziger Jahre vollzog sich ein Bruch, es trat „das Ende des Wirtschaftswunders ein. Bis dahin blieb die Wohlstands- und Beschäftigungsmaschine weitgehend in Takt“ (529), lautet das Ergebnis dieser fundierten historischen Arbeit. Bökenkamp untersucht die Handlungen, Motive, Konflikte und Entscheidungen von Sozial- und Wirtschaftspolitikern über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten, der vom Beginn der sozialliberalen Regierungszeit bis zur Abwahl der Regierung Kohl reicht. Die 70er-Jahre seien durch die Illusion gekennzeichnet, man könne Wirtschaft und Gesellschaft rational planen. Diese sei eng mit keynesianischen Vorstellungen von der Lenkbarkeit der Wirtschaft verbunden gewesen. Vollbeschäftigung, hohe Steuereinnahmen und die Ausweitung der Staatstätigkeit seien an der Tagesordnung gewesen. Als das System von Bretton Woods zusammenbrach und die Ölkrise die Weltwirtschaft erschütterte, sei die Phase 1973 zu Ende gegangen. In der Folge seien sowohl die Staatsverschuldung als auch die Arbeitslosigkeit gestiegen. Die Wiedervereinigung habe die Sozial- und Wirtschaftspolitiker zwar vor eine gewaltige Herausforderung gestellt, dennoch sei in der Euphorie der Wiedervereinigung noch einmal die Hoffnung auf ein zweites Wirtschaftswunder entstanden. Diese erfüllte sich jedoch nicht. Im Gegenteil, die Weichen seien so gestellt worden, dass die öffentlichen Haushalte und der Arbeitsmarkt vor bis dahin nicht gekannte Herausforderungen gestellt wurden. Als Quelle dient dem Autor vor allem die Wirtschaftsberichterstattung der großen Wochenzeitungen, ergänzt um Tageszeitungen sowie insbesondere Jahresgutachten.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.31 | 2.313 | 2.315 | 2.342
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Gérard Bökenkamp: Das Ende des Wirtschaftswunders. Stuttgart: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32688-das-ende-des-wirtschaftswunders_39024, veröffentlicht am 04.01.2011.
Buch-Nr.: 39024
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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