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/ 11.06.2013
Claus Dierksmeier

Der absolute Grund des Rechts. Karl Christian Friedrich Krause in Auseinandersetzung mit Fichte und Schelling

Stuttgart-Bad Cannstatt: frommann-holzboog 2003 (Spekulation und Erfahrung: Abteilung II, Untersuchungen 52); 585 S.; Ln., 98,- €; ISBN 3-7728-2230-4
Der Band folgt dem nachkantischen Deutschen Idealismus auf seiner Suche nach der Idee des Absoluten - in deren Licht allein u. a. das Problem Kants lösbar schien, die Freiheit zwar in ihrem wahren und unbedingten Charakter zeigen, nicht aber aus sich selbst heraus zureichend begründen zu können. Die Antwort auf die analog rechtsphilosophisch zu stellende Frage nach dem absoluten Grund des Rechts fällt bei den für die Darstellung Gewählten höchst unterschiedlich aus. Dierksmeier widmet sich diesen dreien mit einer gegenüber der gängigen bewusst reziproken Wichtung. Das Schwergewicht liegt deutlich auf Krause - vor allem aber wird er nicht primär als Sekundärliteratur zu Fichte und Schelling gelesen, obwohl seine Kritik an ihnen (und Kant) in deren jeweiliger Würdigung sehr wohl ihre Berücksichtigung findet. Vielmehr zieht Dierksmeier eine rechtsphilosophische Linie von Kant durch die Krause-Lehrer Fichte und Schelling, die dann mit Krause selbst ihren sachlich begründeten Abschluss findet. Krause habe in Deutschland, anders als in der anglo- und insbesondere in der hispanophonen Welt, nie große Anerkennung erfahren; zu Unrecht, meint Dierksmeier und zeigt, wie Krause durchaus auf Augenhöhe Kant, Fichte und Schelling sowohl weiterzudenken und zu kritisieren wie auch in sein eigenes philosophisches System zu integrieren wusste. Insbesondere Krauses Rechtsphilosophie sei nicht nur hochreflektiert und durch und durch systematisch, sondern auch um nichts weniger als diejenigen Kants oder Hegels noch heute applizierbar und für argumentative Aneignung offen. Sie leiste einen eigenständigen und „imposanten Entwurf, der bis ins rechtspraktische Detail hinein durch Konsistenz, Plausibilität und argumentative Potenz besticht und deshalb aus philosophiehistorischen wie aus systematischen Gründen gesteigerte Aufmerksamkeit verdient" (10). Dies gelte umso mehr, als eine systematische und argumentative Rekonstruktion der Philosophie Krauses in Deutschland noch immer nicht geleistet worden sei - selbst die bisherigen Versuche, ihn dem Vergessen zu entreißen, hätten nur über Krause, nicht aber mit ihm philosophiert.
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 5.33 Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Claus Dierksmeier: Der absolute Grund des Rechts. Stuttgart-Bad Cannstatt: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9463-der-absolute-grund-des-rechts_22373, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 22373 Rezension drucken
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