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/ 17.06.2013
Helmut Jenkis

Der Freikauf von DDR-Häftlingen. Der deutsch-deutsche Menschenhandel

Berlin: Duncker & Humblot 2012 (Zeitgeschichtliche Forschungen 45); 86 S.; 35,90 €; ISBN 978-3-428-13866-1
Helmut Jenkis stellt „den Ursprung, die Entwicklung und den technischen Ablauf“ des Freikaufs von DDR‑Häftlingen, der für den sozialistischen Staat zu einem florierenden Menschenhandelsgeschäft wurde, dar und bettet dieses Thema „in einen größeren Zusammenhang“ (7) ein. Diesen erblickt Jenkis in der Reichsfluchtsteuer, die bereits dem nationalsozialistischen Regime half, im Land unerwünschte Personen vor ihrer Ausreise finanziell auszubeuten. Auch war sie geeignet, knappe Devisen zu erlangen. Diese Steuer sollte laut Reichsfinanzminister „eine letzte große Abgabe [sein], die der Auswandernde als Ausgleich dafür zu zahlen habe, daß dem Reich […] seine Steuerkraft verloren gehe“ (15). Das Argument des staatlichen Verlusts monetärer Leistungen führte auch die DDR an, jedoch hob sie vorrangig auf die bereits investierten Ausbildungskosten und den durch die Ausreise entstehenden Fachkräftemangel ab. Die Rekonstruktion des eigentlichen Freikaufs gestaltete sich für Jenkis aufgrund von Sperrfristen für die Einsicht von Akten und aufgrund des Todes oder nicht vorhandener Gesprächsbereitschaft einstiger Beteiligter schwierig, weswegen „Lücken und Unzulänglichkeiten vorliegen“ (9). Seine Darstellung unterteilt Jenkis in den amtlichen Freikauf von Häftlingen und in die „Privatinitiative“ (64) Brigitte Klumps, die der Autor 1503‑Verfahren nennt. Der amtliche Freikauf konnte aufgrund der Hallstein‑Doktrin nicht von staatlichen Institutionen abgewickelt werden, sondern wurde von westdeutscher Seite aus über das Diakonische Werk und von ostdeutscher Seite über die KoKo (Kommerzielle Koordinierung) organisiert. Die Bedeutung des zuständigen Staatssekretärs Schalck‑Golodkowski wurde dabei bisher „überbewertet“, weil er lediglich ein Siebtel bis ein Achtel der gesamten Valutaeinnahmen „‚erwirtschaftet‘ hatte“ (60). Das 1503‑Verfahren habe seinen Namen aus der UN‑Resolution 1503, „die sich mit dem ‚Verfahren für die Behandlung von Mitteilungen mit Bezug auf Verletzungen von Menschenrechten und Grundfreiheiten’ befaßt“ (65). Brigitte Klump habe mehrfach Sammelpetitionen bei der UNO eingereicht, die zwar keine unmittelbaren politischen Konsequenzen hatten, die aber „einen moralischen Druck ausgeübt haben“ (66) dürften.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.3142.313 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Helmut Jenkis: Der Freikauf von DDR-Häftlingen. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14916-der-freikauf-von-ddr-haeftlingen_43493, veröffentlicht am 18.04.2013. Buch-Nr.: 43493 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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