/ 05.06.2013
Hans Mommsen
Der Mythos von der Modernität. Zur Entwicklung der Rüstungsindustrie im Dritten Reich
Essen: Klartext 1999 (Stuttgarter Vorträge zur Zeitgeschichte 3); 72 S.; brosch., 14,80 DM; ISBN 3-88474-646-4In diesem Vortragstext setzt sich Mommsen mit der - nicht nur im Zusammenhang mit dem Bau der "Reichsautobahnen" - immer wieder geäußerten These auseinander, im "Dritten Reich" habe es in verschiedenen Bereichen, vor allem aber in der Industrie, einen Modernisierungsschub gegeben. Er bestreitet dies: Allenfalls sei es zu punktuellen Modernisierungen gekommen, die in einzelnen Sektoren kurzfristig die Entwicklung vorantrieben, ohne jedoch die infrastrukturellen und gesamtwirtschaftlichen Bedingungen zu berücksichtigen oder maßgeblich beeinflussen bzw. verändern zu können. Zwischen der ostentativen Technikbegeisterung des NS-Regimes und seiner Bereitschaft zur nachhaltigen technologischen Innovation habe dagegen ein Abgrund geklafft. Für die Rüstungsindustrie stellt der Autor einen Hang zur hektischen Improvisation fest, die sich auf Dauer leistungsmindernd auswirkte. Durch kurzatmige Produktionslenkung konnten lediglich partielle und befristete Erfolge erzielt werden. Insgesamt dagegen habe die deutsche Industrie in dieser Phase den Anschluß an die internationale Entwicklung verloren, ein Großteil der Produktionsplanungen sei überdies nie zur Massenfertigung gekommen. Der Band schließt mit einem kommentierten Dokumentenanhang (49-70).
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.312
Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Hans Mommsen: Der Mythos von der Modernität. Essen: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8127-der-mythos-von-der-modernitaet_10737, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 10737
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
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