/ 21.06.2013
Der politische Sokrates
Arnd Morkel
Der politische Sokrates
Würzburg: Königshausen & Neumann 2006; 125 S.; brosch., 16,80 €; ISBN 978-3-8260-3342-1Worin sah Sokrates die Aufgabe der Philosophie in der Politik? Der Trierer Politikwissenschaftler Morkel geht dieser Frage in kurzen, sehr verständlich geschriebenen Kapiteln nach. Sokrates habe sich von der Tagespolitik fern gehalten und sich als Philosoph mit moralischen Fragen befasst. Er habe nicht als Lehrer gewirkt, sondern die Menschen zum Gespräch aufgefordert. Da Sokrates nichts Schriftliches hinterlassen hat, filtert Morkel die wesentlichen seiner Aussagen aus den Schriften seiner Schü...
Arnd Morkel
Der politische Sokrates
Würzburg: Königshausen & Neumann 2006; 125 S.; brosch., 16,80 €; ISBN 978-3-8260-3342-1Worin sah Sokrates die Aufgabe der Philosophie in der Politik? Der Trierer Politikwissenschaftler Morkel geht dieser Frage in kurzen, sehr verständlich geschriebenen Kapiteln nach. Sokrates habe sich von der Tagespolitik fern gehalten und sich als Philosoph mit moralischen Fragen befasst. Er habe nicht als Lehrer gewirkt, sondern die Menschen zum Gespräch aufgefordert. Da Sokrates nichts Schriftliches hinterlassen hat, filtert Morkel die wesentlichen seiner Aussagen aus den Schriften seiner Schüler heraus und erzeugt so als Quintessenz ein stimmiges Bild des Philosophen. Wohl um dieses Bild nicht zu stören, fehlt eine kritische Würdigung der durchaus unterschiedlichen Darstellungen bei Xenophon und Platon. Nicht diskutiert wird ferner, wo genau eine Trennlinie zu ziehen wäre zwischen dem historischen und dem eher fiktiven Sokrates, wie er bei Platon auftritt. Aufgrund dieser Auslassungen kann dieses Buch daher nur als eine Einführung gelesen werden. Insgesamt charakterisiert Morkel den Philosophen in politischer Hinsicht als Konservativen, der geradezu „ein verstockter Antidemokrat“ (70) gewesen sei. Auch habe Sokrates trotz geänderter politischer Umstände in seiner Heimatstadt Athen seine Art des Philosophierens beibehalten und so mit seiner Forderung, Glaube und Traditionen zu hinterfragen, Ängste der Demokraten vor erneuter Unruhe provoziert – mit der Folge, angeklagt worden zu sein. In dem Entschluss, nicht für seine Unschuld zu plädieren und das Todesurteil anzunehmen, zeigt Morkel die Grenzen des politischen Denkens von Sokrates, der nicht einen der Antigone ähnlichen Weg eingeschlagen und die Legitimität des Richterspruchs angezweifelt habe. Der Wille, seine Mitbürger zum Nachdenken anzuregen, sei stärker gewesen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.31
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Arnd Morkel: Der politische Sokrates Würzburg: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26510-der-politische-sokrates_30901, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 30901
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