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/ 17.06.2013
Friedrich Dieckmann

Deutsche Daten oder Der lange Weg zum Frieden. 1945 – 1949 – 1953 – 1961 – 1989

Göttingen: Wallstein Verlag 2009; 188 S.; geb., 19,90 €; ISBN 978-3-8353-0572-4
In den sieben Essays geht Dieckmann – er arbeitete seit 1963 als freier Schriftsteller in der DDR und war in den 70er-Jahren Dramaturg am Berliner Ensemble – den im Untertitel genannten zentralen Daten deutscher Nachkriegsgeschichte nach. Dabei hat er den „Gesamtstaat“ im Blick und spürt „den Wegen einer unter dem Druck äußerer wie innerer Gegebenheiten zunächst auseinander- und dann ebenso überraschend wie folgerichtig aufeinander zulaufenden Entwicklung nach“. In den beiden deutschen Teilstaaten seien zwei „Modernisierungswege“ (8) beschritten worden: ein revolutionärer in der DDR und ein evolutionärer in der Bundesrepublik. Ein jeder dieser Wege habe den anderen jeweils vorausgesetzt, sodass Dieckmann den Begriff der „Dialektik zwischen Absonderung und Interdependenz“ (8) prägt. In den Texten, sechs von ihnen sind zwischen 1995 und 2006 bereits andernorts publiziert worden, zeichnet Dieckmann die Ereignisse zwischen dem 30. April 1945 bis zum 9. November 1989 nach. Letzteren bezeichnet er als Glückstag und schreibt weiter: „Was das Jahr 1989 beendete, war die Epoche der vorauseilenden Irrtümer.“ (68) Im Kapitel „Olymp im Nebel“, das in seiner ersten Fassung dem inzwischen verstorbenen Peter Bender zum 80. Geburtstag gewidmet war und dem er nun den gesamten Band widmet, geht der Autor auf die Hintergründe des 17. Juni 1953 ein. Die Erhebung sei eine „Tragödie nach antikischem Maß und Begriff“ gewesen und der „tragische Held die Volksmassen“ (69). Den Aufstand deutet er als eine vom sowjetischen Hochkommissar Semjonow gebilligte Intrige, um den NKWD-Chef Berija in Moskau zu stürzen, was auch gelungen sei. Außerdem stellt Dieckmann Überlegungen zum Nationalfeiertag an und lobt den 3. Oktober als den „feiernswürdigen Tag wiedererlangter nationaler Selbständigkeit“ (27). Schließlich fragt der Autor „Was ist deutsch?“ (143) und spricht von „Staatsfrömmigkeit“, die schon Kant als eine „Nationaleigentümlichkeit“ (150) der Deutschen bezeichnet habe.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.31 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Friedrich Dieckmann: Deutsche Daten oder Der lange Weg zum Frieden. Göttingen: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14836-deutsche-daten-oder-der-lange-weg-zum-frieden_37401, veröffentlicht am 23.03.2010. Buch-Nr.: 37401 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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