/ 11.06.2013
Michael Gehler
Deutschland. Von der Teilung zur Einigung. 1945 bis heute
Wien/Köln/Weimar: Böhlau Verlag 2010; 509, VIII S.; 39,- €; ISBN 978-3-205-78584-2„Die Geschichten der Bundesrepublik und der DDR sind, ohne Bezug auf einander zu nehmen, kaum zu verstehen“ (16), schreibt der Historiker Gehler, der das Entstehen und die Existenz der beiden „deutschen Teilstaaten“ (17) vor und während des Kalten Krieges an der Nahtstelle der politischen Systeme darstellt. Folgerichtig bilden die Überlegungen der späteren alliierten Kontrollmächte zur Nachkriegsplanung über Deutschland ab Herbst 1943 den Auftakt. Die Nichteinhaltung des Potsdamer Abkommens von August 1945, wonach Deutschland als wirtschaftliche Einheit zu behandeln gewesen wäre, stelle den Beginn der Teilung dar. Mit der Etablierung der beiden deutschen Staaten 1949 sei ein „doppeltes Provisorium unter Besatzungsherrschaft“ (70) geschaffen worden. Der Autor beschreibt die Einführung der sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik sowie die der staatlich-sozialistischen Planwirtschaft in der DDR jeweils als innere Teilintegration mit unterschiedlichen Ergebnissen für das Lebensniveau der Menschen. Trotz der anfänglich glaubhaft abgegebenen Erklärung „Niemals wieder Krieg!“ seien die beiden deutschen Staaten in die jeweiligen Militärblöcke eingebunden worden. Die Errichtung der innerdeutschen Grenze habe die deutsche Zweistaatlichkeit ebenso hervorgebracht wie die kulturelle „Doppelpräsentation“ (191) in der Welt. Breiten Raum widmet Gehler dem Regierungswechsel in Bonn 1969 und vor allem der damit verbundenen Ostpolitik Willy Brandts. Die Wende in der DDR betrachtet er als Folge der osteuropäischen Umwälzungen vor 1989. Die Vereinigung der beiden deutschen Staaten zur „Berliner Republik“ und deren aktives Bemühen im europäischen Staatenverbund dimensioniert der Autor als „Begründung einer neuen Bundesrepublik“ (377). Da Gehler das Ziel verfolgt, eine „leicht lesbare Studie“ (20) zu bieten, hat er bewusst auf einen Fußnotenapparat verzichtet, gibt jedoch Literaturhinweise am Ende des populärwissenschaftlich ausgerichteten Buches.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3 | 2.31 | 2.313 | 2.314 | 2.315 | 2.331 | 2.34 | 2.35 | 4.21
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Michael Gehler: Deutschland. Wien/Köln/Weimar: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9676-deutschland_39422, veröffentlicht am 08.03.2012.
Buch-Nr.: 39422
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