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/ 05.06.2013
Jonathan Steinberg

Die Deutsche Bank und ihre Goldtransaktionen während des Zweiten Weltkriegs. Aus dem Englischen übersetzt von Karl Heinz Siber

München: C. H. Beck 1999; 191 S.; brosch., 19,80 DM; ISBN 3-406-44551-9
Um die Rolle der Deutschen Bank im Dritten Reich und während des Zweiten Weltkrieges einordnen zu können, müssen einige Voraussetzungen beachtet werden: Das Bankhaus operierte zwar international, ist aber durchaus nicht mit der Deutschen Bank der Gegenwart zu vergleichen. Zweitens bildete das Goldgeschäft der Bank während des Krieges nur einen Bruchteil ihres Gewinns. Drittens war die Deutsche Bank im Dritten Reich nicht führend, aber sie hat sich dennoch sehr um Regimenähe bemüht, wenn sie zum Beispiel versuchte, sich als Hausbank der SS bei Himmler anzutragen. Bezogen auf das Gold stellt sich die Frage: Wußten die Verantwortlichen der Deutschen Bank, woher das Gold stammte, das sie auf verschlungenen Wegen nach Istanbul transferierten, und von dem sich 1967, beim Ausscheiden von Hermann Josef Abs aus dem Vorstand der Deutschen Bank, noch 323 Kilogramm Feingold in einem Schweizer Banktresor befanden? Steinberg nimmt an, daß in der Vorstandsetage des Bankhauses durchaus realistisch eingeschätzt wurde, welche Entwicklung die Judenverfolgung in Deutschland nehmen würde, schon seit 1933, als der damalige Vorstandssprecher Solmssen, ein getaufter Jude, erkannte, daß zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Vorstandsmitgliedern keine Solidarität gegen die Verfolgung bzw. Repressalien entstehen würde. Statt dessen versuchte die Bank, sich mit dem Regime zu arrangieren. Bezogen auf Abs formuliert dies Steinberg so: "[...] er war kein Märtyrer und wollte keiner sein. Die Bereitschaft, für eine Sache zu sterben, gehörte nicht zum Anforderungsprofil für eine Bankierskarriere" (87). Die Deutsche Bank ist nach Steinberg schuldig zu sprechen; sie verhielt sich nicht anders als viele andere deutsche Bankhäuser auch. Die Darstellung wird u. a. ergänzt durch eine Einzelaufstellung der Goldtransaktionen der Deutschen Bank. Inhalt: 2. Die Goldtransaktionen der Deutschen Bank: der Hintergrund; 3. Die Goldtransaktionen der Deutschen Bank: die Belege; 4. Die Filiale Istanbul und ihre Goldgeschäfte; 5. Abs, Kurzmeyer und das Kriegsende.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.312 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Jonathan Steinberg: Die Deutsche Bank und ihre Goldtransaktionen während des Zweiten Weltkriegs. München: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8666-die-deutsche-bank-und-ihre-goldtransaktionen-waehrend-des-zweiten-weltkriegs_11400, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 11400 Rezension drucken
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