/ 20.06.2013
Die Juden in den geheimen NS-Stimmungsberichten 1933-1945
Otto Dov Kulka / Eberhard Jäckel (Hrsg.)
Die Juden in den geheimen NS-Stimmungsberichten 1933-1945
Düsseldorf: Droste Verlag 2004 (Schriften des Bundesarchivs 62); 894 S.; hardc., 74,90 €; ISBN 3-7700-1616-5Das alltägliche Leben der Juden während der NS-Zeit, ihre Bedrohung durch Gewalt und Deportation, die Haltung der Bevölkerung zu den antijüdischen Maßnahmen des Regimes und das Wissen um die Massenvernichtung sind die Themen dieser beeindruckenden Quellensammlung. 3.744 Dokumente aus deutschen und ausländischen Archiven wurden gemeinsam von den inzwischen emeritierten Professoren Kulka (The Hebrew University of Jerusalem) und Jäckel (Universität Stuttgart) sowie ihren Mitarbeitern auf einer CD-R...
Otto Dov Kulka / Eberhard Jäckel (Hrsg.)
Die Juden in den geheimen NS-Stimmungsberichten 1933-1945
Düsseldorf: Droste Verlag 2004 (Schriften des Bundesarchivs 62); 894 S.; hardc., 74,90 €; ISBN 3-7700-1616-5Das alltägliche Leben der Juden während der NS-Zeit, ihre Bedrohung durch Gewalt und Deportation, die Haltung der Bevölkerung zu den antijüdischen Maßnahmen des Regimes und das Wissen um die Massenvernichtung sind die Themen dieser beeindruckenden Quellensammlung. 3.744 Dokumente aus deutschen und ausländischen Archiven wurden gemeinsam von den inzwischen emeritierten Professoren Kulka (The Hebrew University of Jerusalem) und Jäckel (Universität Stuttgart) sowie ihren Mitarbeitern auf einer CD-ROM zusammengestellt. Für den Druck wurden davon 752 Dokumente ausgewählt, die dem Leser ein „aussagekräftiges Bild dieser Zeit" (7) vermitteln. Nachzulesen sind Berichte der NS-Überwachungsorgane sowie jüdische Quellen, berichtet wird über das jüdische Vereinsleben ebenso wie über die scheinbar unorganisierte Gewalt gegen Juden und deren Selbstmorde aus Angst vor der Deportation. Aus den Berichten geht nicht nur hervor, dass weite Teile der Bevölkerung über die Deportationen informiert waren. Der Sicherheitsdienst der SS stellte beispielsweise 1938 auch fest, dass die „Einstellung zur Judenfrage [...] auch in diesem Jahre bei weiten Kreisen der Bevölkerung noch viel zu wünschen übrig" (365) lasse. Immer wieder wird von evangelischen wie katholischen Pastoren berichtet, die sich in ihren Kirchen - als letzten Ort der Meinungsfreiheit - offen gegen die Judenverfolgung aussprachen. „Einer der grundlegenden Befunde dieses Quellenmaterials ist, dass auch nach der totalitären Gleichschaltung der heterogene Charakter der deutschen Gesellschaft und ihre politischen Ausrichtungen aus der vorangegangenen Epoche erhalten geblieben waren" (15), heißt es in der Einleitung. Beschönigen lässt sich damit nichts. Die Dokumente sind ein Zeugnis dafür, dass der Holocaust unter den Augen der Bevölkerung geschah und von der Mehrheit stillschweigend geduldet wurde.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.312
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Otto Dov Kulka / Eberhard Jäckel (Hrsg.): Die Juden in den geheimen NS-Stimmungsberichten 1933-1945 Düsseldorf: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22838-die-juden-in-den-geheimen-ns-stimmungsberichten-1933-1945_26081, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 26081
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
CC-BY-NC-SA