/ 05.06.2013
Peter Schlotter
Die KSZE im Ost-West-Konflikt. Wirkung einer internationalen Institution
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 1999 (Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung 32); 405 S.; 78,- DM; ISBN 3-593-36122-1Politikwiss. Habilitationsschrift Darmstadt. - Die alte Streitfrage zwischen den beiden großen Schulen der internationalen Beziehungen, dem Realismus und dem Institutionalismus, ob nämlich internationale Organisationen überhaupt, und wenn, auf welche Weise und unter welchen Bedingungen an der Einhegung von Konkurrenz und Konflikt in den internationalen Beziehungen mitwirken können, wendet der Autor auf die Geschichte der KSZE an, die er als ein zentrales Element der europäischen Entspannungspolitik seit der Mitte der siebziger Jahre betrachtet. Grundthese seiner Wirkungsanalyse ist, daß die KSZE zu einer Abmilderung der Konfrontation zwischen Ost und West und zur Überwindung des Ost-West-Konflikts beigetragen hat. Zwei Interpretationsansätze der KSZE bilden die Grundlage für die Analyse, nämlich die frühen Wirkungsuntersuchungen der KSZE nach 1975 sowie jüngere regimetheoretische Untersuchungen. Dabei zieht er besonders das Verhalten der sozialistischen Teilnehmerstaaten heran, um die Frage zu beantworten, welchen Anteil die KSZE als Teil der westlichen Entspannungspolitik an den Reformen in Ostmitteleuropa seit Ende der achtziger Jahre und am Zerfall der sowjetischen Einflußsphäre besessen hat. Damit knüpft Schlotter auch an die seit 1989/90 neu aufgelebte Diskussion an, welche Wirkung die westliche Entspannungspolitik auf den Ostblock zeitigte, d. h., ob sie stabilisierend und damit verlängernd wirkte oder ob sie für die Bürger der sozialistischen Staaten die politischen Freiräume geschaffen hat, die oppositionelle Tätigkeiten erst ermöglicht haben. Schlotter stimmt mit seiner Untersuchung denjenigen Vertretern zu, die der Entspannungspolitik und ihren institutionalisierten Formen wie der KSZE einen wichtigen Einfluß auf die Austragungsformen des Ost-West-Konfliktes bescheinigen. Indem der Helsinki-Prozeß den Außendruck auf die sozialistischen Systeme verringerte, ließ er ihre internen Widersprüche aufbrechen. Der Autor hat eine Arbeit vorgelegt wie man sie sich häufiger wünschte: Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Theoriebildung in den Internationalen Beziehungen ohne theorielastig zu sein und mißt der unter diesem Aspekt zu lange vernachlässigten KSZE neue Bedeutung bei.
Inhaltsübersicht: 1. Methode und Fragestellungen; 2. Entstehung und Entwicklung des KSZE-Prozesses 1972-1990; 3. Mechanismen der Eigendynamik: Das Verhandlungssystem KSZE; 4. Die allgemeinen Normen des KSZE-Prozesses; 5. Menschenrechte und KSZE-Prozeß; 6. Militärische vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen; 7. Die wirtschaftliche Dimension des KSZE-Prozesses; 8. Menschliche Kontakte, Information und Kultur im KSZE-Prozeß; 9. Der KSZE-Prozeß und die Überwindung des Ost-West-Konflikts - Zusammenfassung und theoretische Interpretation.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 4.3 | 4.2 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Peter Schlotter: Die KSZE im Ost-West-Konflikt. Frankfurt a. M./New York: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6440-die-ksze-im-ost-west-konflikt_8750, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 8750
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
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