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/ 21.06.2013

Die Mauer

Frederick Taylor

Die Mauer. 13. August 1961 bis 9. November 1989. Aus dem Englischen von Klaus-Dieter Schmidt

München: Siedler Verlag 2009; 576 S.; 29,95 €; ISBN 978-3-88680-882-3
„Die wahre Bürde des Ostens – und das heimtückischste und nachhaltigste Verbrechen seiner kommunistischen Herren – war dieser Diebstahl der Hoffnung“ (523 f.) – der Hoffnung darauf, nach der Wende würde es für jeden Einzelnen besser werden. Aber die Wirtschaft erwies sich nach 1989 als nicht konkurrenzfähig, außerdem „kamen die in der Nachkriegsperiode an den Westen verlorenen Menschen, Produktivkapitalien und Fähigkeiten nicht zurück, jedenfalls nicht in dem ...
Frederick Taylor

Die Mauer. 13. August 1961 bis 9. November 1989. Aus dem Englischen von Klaus-Dieter Schmidt

München: Siedler Verlag 2009; 576 S.; 29,95 €; ISBN 978-3-88680-882-3
„Die wahre Bürde des Ostens – und das heimtückischste und nachhaltigste Verbrechen seiner kommunistischen Herren – war dieser Diebstahl der Hoffnung“ (523 f.) – der Hoffnung darauf, nach der Wende würde es für jeden Einzelnen besser werden. Aber die Wirtschaft erwies sich nach 1989 als nicht konkurrenzfähig, außerdem „kamen die in der Nachkriegsperiode an den Westen verlorenen Menschen, Produktivkapitalien und Fähigkeiten nicht zurück, jedenfalls nicht in dem Ausmaß, das den Wiederaufbau der Region auf das Niveau der Zeit vor der DDR ermöglicht hätte“ (523). Der britische Historiker Taylor bezieht allerdings nicht erst in seiner Bilanz Stellung, seine klare Ablehnung der Mauer, mit der die SED die DDR vom Westen abriegelte, durchzieht fast als Leitmotiv die Schilderungen. Diese Perspektive ermöglicht ihm auch eine kritische Bestandsaufnahme der Politik der westlichen Alliierten, denen er angesichts der Ereignisse im August 1961 ein feiges Schweigen attestiert. Die Quasi-Entschuldigung Kennedys, dass „eine Mauer [...] verdammt viel besser [ist] als ein Krieg“ (268), wird dem Leser aber als Information zur Verfügung gestellt. Überhaupt ist das Buch prallt gefüllt mit allen relevanten Aspekten – von den Anfängen Berlins als „Sumpfstadt“ (25) über das Ende des Kaiserreichs, die Besetzung der Stadt 1945 durch die Rote Armee und die Etablierung der SED-Diktatur bis zu den Vorbereitungen des Baus der Mauer, die anfangs aus Stacheldraht bestand. Taylor schildert die Haltung der Alliierten und das internationale Umfeld von Blockade und Krise, erinnert an die 68 Angehörigen der östlichen Bereitschaftspolizei und der Sicherungskommandos, die in den ersten Wochen der Abriegelung in den Westen flüchteten, an Fluchthelfer und Mauertote. Auch ein Eindruck der Verhältnisse in Ost und West, einschließlich der „Einmannanomalie“ (440) Wolf Biermann, wird vermittelt. Abgesehen von kleinen Recherchefehlern (wie der falschen Zuordnung der Nachfrage eines Journalisten auf der Pressekonferenz am 9. November 1989) bietet Taylor eine umfassende und genaue zeitgeschichtliche Darstellung.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.312.3132.3144.14.22 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Frederick Taylor: Die Mauer. München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30332-die-mauer_35998, veröffentlicht am 11.03.2009. Buch-Nr.: 35998 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA