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/ 11.06.2013
Susanna Keval

Die schwierige Erinnerung. Deutsche Widerstandskämpfer über die Verfolgung und Vernichtung der Juden. Mit einem Nachwort von Hans Bosse

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 1999; 291 S.; kart., 49,- DM; ISBN 3-593-36352-6
Sozialwiss. Diss. Frankfurt a. M.; Gutachter: H. Bosse. - Keval geht in ihrer Studie der Frage nach, "woran es lag, daß innerhalb des politischen, kirchlichen und bürgerlichen Widerstandes die Frage der Judenverfolgung keine zentrale Rolle spielte, obwohl sie doch eine der Kernpunkte der nationalsozialistischen Politik bildete" (210). Die empirische Basis für ihre Untersuchung bildet eine Sequenz von Gruppengesprächen mit Vertretern des Widerstands, die im Winter 1992 geführt wurde. Als Methode bedient sie sich der ethnoanalytischen Gruppengespräche und der ethnohermeneutischen Textinterpretation. In diesen Verfahren geht es vor allem darum, durch ständige Selbstreflexion die Vorurteile des Forschers bewußt zu machen und in die Gruppengespräche produktiv einzubringen, um so einen beiderseitigen Lernprozeß in Gang zu setzen. Durch diese Herangehensweise verspricht sich Keval, "an Themen heranzukommen, die der historischen Forschung und der gesellschaftlichen Rezeption des Widerstandes verborgen geblieben sind" (12). Für sie gehört zu diesen Themen vor allem die Erfahrung der Ambivalenz, die Integrierung von Gefühlen wie Schuld, Scham, Verstrickung, aber auch der eigenen Subjektivität in den Forschungsprozeß. "Eine solche Sichtweise könnte es möglich machen, daß sich Juden und Deutsche fünfundfünfzig Jahre nach dem Ende der NS-Schreckensherrschaft wieder irritationsfrei begegnen können." (12)
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.352.312 Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Susanna Keval: Die schwierige Erinnerung. Frankfurt a. M./New York: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10470-die-schwierige-erinnerung_12383, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 12383 Rezension drucken
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