/ 20.06.2013
Bernhard Vogel / Rudolf Dolzer / Matthias Herdegen (Hrsg.)
Die Zukunft der UNO und des Völkerrechts. Beiträge und Thesen einer Internationalen Konferenz. Hrsg. im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung e. V.
Freiburg i. Br./Basel/Wien: Herder 2004; 242 S.; kart., 13,- €; ISBN 3-451-20899-7Die Herausgeber haben eine illustre Schar von Autoren für ihren Sammelband gewinnen können: Neben einigen Forschern aus juristischen Instituten finden sich auch stellvertretende Außenminister (Usbekisten, China) und hohe Verfassungsrichter. Sie diskutieren die Entwicklung des Völkerrechts vor dem Hintergrund des Irakkriegs sowie der Herausforderungen durch die Proliferation von Massenvernichtungswaffen und den internationalen Terrorismus im Allgemeinen. Dolzer betont gleich zu Anfang den Umbruchscharakter der gegenwärtigen Lage: Er äußert Zweifel darüber, ob das Völkerrecht und die UNO in ihrer heutigen Form die aktuellen Herausforderungen meistern können oder nicht vielmehr „aus heutiger Sicht die richtige Antwort auf die Fragen von gestern, d. h. von 1945 anbieten“ (37). Insbesondere spricht er die Souveränitätsproblematik sowie das Spannungsverhältnis von Gewaltverzicht auf der einen Seite und Menschenrechtsschutz auf der anderen an. Auch der Sicherheitsrat scheint ihm problematisch: Seine Mitglieder orientierten sich keineswegs am übergeordneten Wohl der Staatengemeinschaft sondern allzu oft am nationalen Interesse. Wie sehr diese Einschätzung zutrifft, zeigt sich in diversen Artikeln von Vertretern unterschiedlicher Außenministerien. In anderen Beiträgen findet sich eher die Meinung des Autors als stringente Analysen wieder. Die Aufsätze der Völkerrechtler hingegen bieten eine breitere Perspektive auf das Thema. So befasst sich der indische Völkerrechtsprofessor Mani systematisch und ausführlich mit den Maßnahmen gegen den internationalen Terror und die Verbreitung von Massenvernichtungsmitteln. Herdegen mahnt „eine neue Balance in den Grundwerten [an...], welche die Staatenwelt als Rechtsgemeinschaft zusammenhalten“ (226) und fordert gleichzeitig, „die absolute Dominanz formaler Prinzipien wie der souveränen Gleichheit der Staaten und eines kategorischen Gewaltverbots zu überdenken“ (229).
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.3 | 4.1 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Bernhard Vogel / Rudolf Dolzer / Matthias Herdegen (Hrsg.): Die Zukunft der UNO und des Völkerrechts. Freiburg i. Br./Basel/Wien: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23200-die-zukunft-der-uno-und-des-voelkerrechts_26574, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 26574
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M. A., Politikwissenschaftler.
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