/ 21.06.2013
"Es lebe das heilige Deutschland" – ein Tag im Leben des Claus Schenk Graf v. Stauffenberg
Ulrich Schlie
"Es lebe das heilige Deutschland" – ein Tag im Leben des Claus Schenk Graf v. Stauffenberg. Ein biografisches Porträt
Freiburg i. Br./Basel/Wien: Herder 2009; 192 S.; geb., 17,95 €; ISBN 978-3-451-29875-2„Widerstand, will er etwas bewirken, muss mit partieller Affirmation der bestehenden Zustände einhergehen“, schreibt der Historiker Schlie. „Stauffenberg war kompromisslos in seiner Ablehnung des Nationalsozialismus [...]. Doch dies war nur seine eine Seite; die andere war die des vorbildlichen, pflichtbewussten Generalstabsoffiziers“ (87 f.). Dieses Spannungsverhältnis zwischen Pflicht- und Verantwortungsgefühl steht im Mittelpunkt dieses Essays, in dem Schlie das Leben ...
Ulrich Schlie
"Es lebe das heilige Deutschland" – ein Tag im Leben des Claus Schenk Graf v. Stauffenberg. Ein biografisches Porträt
Freiburg i. Br./Basel/Wien: Herder 2009; 192 S.; geb., 17,95 €; ISBN 978-3-451-29875-2„Widerstand, will er etwas bewirken, muss mit partieller Affirmation der bestehenden Zustände einhergehen“, schreibt der Historiker Schlie. „Stauffenberg war kompromisslos in seiner Ablehnung des Nationalsozialismus [...]. Doch dies war nur seine eine Seite; die andere war die des vorbildlichen, pflichtbewussten Generalstabsoffiziers“ (87 f.). Dieses Spannungsverhältnis zwischen Pflicht- und Verantwortungsgefühl steht im Mittelpunkt dieses Essays, in dem Schlie das Leben Stauffenbergs, seinen Weg in den Widerstand und das missglückte Attentat vom 20. Juli 1944 für die Gegenwart deutet. Hervorgehoben wird insbesondere, dass sich Stauffenberg trotz seiner Berufsauffassung als Offizier stets eine eigene Meinung bewahrte. Außerdem verweist Schlie auf die „konstitutive Rolle der Freundschaft als Voraussetzung der Aktivitäten des Widerstands“ (159), die lange von der Geschichtswissenschaft unterschätzt worden sei. Eine Einordnung des Attentats unter das Diktum „falsch und zu spät“ (133, so der Titel der Memoiren von Otto John) lässt Schlie nicht zu – der 20. Juli 1944 sei das Ergebnis eines Erkenntnisprozesses von Menschen gewesen, die ein integraler Bestandteil der Gesellschaft waren, gegen deren Mehrheit sie sich schließlich stellten. Eben dies habe eine Würdigung der Attentäter in der Nachkriegsgesellschaft dann erschwert. „Stauffenbergs Weg konfrontierte mit der unangenehmen Wahrheit, dass es zum Mitmachen und Mitlaufen eine Alternative gegeben hätte.“ (155) Trotz des Scheiterns sei das Attentat nicht völlig vergeblich gewesen, so die Interpretation Schlies, sondern habe der „noch jungen Bundesrepublik moralische Legitimität“ (163) verliehen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.312 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Ulrich Schlie: "Es lebe das heilige Deutschland" – ein Tag im Leben des Claus Schenk Graf v. Stauffenberg. Freiburg i. Br./Basel/Wien: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30645-es-lebe-das-heilige-deutschland--ein-tag-im-leben-des-claus-schenk-graf-v-stauffenberg_36393, veröffentlicht am 23.09.2009.
Buch-Nr.: 36393
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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