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/ 19.06.2013
Norman M. Naimark

Flammender Hass. Ethnische Säuberung im 20. Jahrhundert. Aus dem Amerikanischen von Martin Richter

München: C. H. Beck 2004; 301 S.; geb., 26,90 €; ISBN 3-406-51757-9
Der Osteuropa-Historiker Naimark interpretiert „ethnische Säuberungen" als eine Entwicklung, die „sich nur durch den Gang ihrer Geschichte im 20. Jahrhundert verstehen" lässt (14). Gleichzeitig weist er darauf hin, dass es sich nicht nur um ein strukturelles Problem handelt: Der moderne Staat und der „integrale Nationalismus" seien für die „ethnischen Säuberungen" im letzten Jahrhundert zwar unverzichtbare Voraussetzungen gewesen, gleichwohl hätten die „politische[n] Eliten doch die Hauptverantwortung für ihre Durchführung" getragen (19). Mit den Mitteln der vergleichenden Geschichtswissenschaft analysiert Naimark fünf Fälle von gewaltsamer Trennung von Bevölkerungsgruppen: die Grausamkeiten gegen die Armenier und die anatolischen Griechen, die Judenverfolgung im Dritten Reich, die sowjetische Deportation der Tschetschenen-Inguschen und der Krimtataren, die Vertreibung der Deutschen aus Polen sowie der Tschechoslowakei und schließlich die „ethnischen Säuberungen" während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien. Er weist nach, dass sowohl die politischen Ziele als auch die Technologien des modernen Nationalstaats wesentliche Voraussetzungen für „ethnische Säuberungen" waren. Sie seien stets gewalttätig verlaufen und Kriege hätten sie befördert, weil Regierungen und Politiker dadurch sowohl die Gelegenheit als auch die Argumente für den Einsatz von Gewalt bekommen hätten. „Ethnische Säuberungen" seien zudem stets darauf gerichtet, jedes Mitglied eines Volkes zu vertreiben oder zu ermorden und auch alle Monumente und Erinnerungen dieses Volkes zu zerstören. Naimarks Analyse basiert sowohl auf Dokumenten als auch auf Augenzeugenberichten. Sie lässt den Leser mit Beklemmung zurück, zumal der Autor davor warnt, dass „[a]uf lange Sicht kein Land vor dieser potentiellen Gefahr gefeit [ist ...] Ethnische Säuberungen werden wieder geschehen und die Staatengemeinschaft sollte sich auf die nächste Runde vorbereiten." (231)
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.254.422.3122.622.63 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Norman M. Naimark: Flammender Hass. München: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20903-flammender-hass_24374, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 24374 Rezension drucken
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